Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie weiterhin auf der Website surfen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Cookie-Informationen.

Wirtschaft 12/05/2020
Die EU-Kommission arbeitet unermüdlich

Gritlind Kettl. Die Leiterin der Stabstelle EU-Bürgerservice des Landes Salzburg und Leiterin des Europe Direct Informationszentrums über Maßnahmen der EU, die Corona-Krise finanziell abzufedern. Und wie man mit Kreativität gegen Fake News vorgehen kann. 


ECHO: Salzburg und Österreich feiern heuer 25 Jahre EU-Mitgliedschaft und begehen somit einen besonderen Europatag. Wie sehr trübt die Corona-Krise die Stimmung?

Gritlind Kettl: Wir können uns prinzipiell sehr glücklich über ein Friedensprojekt wie das der Europäische Union schätzen. Die weltweite Pandemie hat natürlich alle Mitgliedstaaten in ihrem Kern erschüttert. So einen Albtraum hat sich eigentlich keiner wirklich vorstellen können. Neben der 25-jährigen Mitgliedschaft Österreichs bei der EU gibt es ja auch ein weiteres großes Jubiläum. Der Europatag fand am 9. Mai statt und geht zurück auf das Jahr 1950, als der damalige französische Außenminister Robert Schuhman in einer Rede die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) ankündigte. Damals – vor genau 70 Jahren – wurde somit der Grundstein für die heutige EU gelegt. Und die Europahymne, aus Beethovens Neunter, feiert ihr 35-jähriges Jubiläum. Sie steht für Frieden, Freiheit und Solidarität. Der Zusammenhalt der Mitgliedstaaten hat zu Beginn der Krise nicht gut funktioniert, mittlerweile aber wurden viele solidarische Maßnahmen getroffen. Man muss einen gemeinsamen Weg aus der Krise finden.


ECHO: Welche gemeinsamen Schritte wurden gesetzt?

Kettl: Die EU-Kommission hat ein Maßnahmenpaket für insgesamt 540 Milliarden Euro geschnürt. 100 Milliarden Euro davon werden für Kurzarbeitsmodelle aufgewendet, 2,7 Milliarden aus dem EU-Budget werden aus dem EU-Nothilfefonds als Direktinvestition in die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt, ein Teil wurde für die Rückholung von 500.00 EU-Bürgerinnen und –Bürgern und zur medizinischen Vorratsaufstockung aufgebracht, acht Milliarden dienen als Garantien für Klein- und Mittelbetriebe und 430 Milliarden Euro dienen nationalen Maßnahmen, die eine Flexibilität der EU-Haushaltsregeln nutzen. Die EU-Kommission arbeitet unermüdlich, was aber viele Bürgerinnen und Bürger nur am Rande wahrnehmen.

Und die EU-Kommission hat einen Vorschlag für einen Fonds zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Coronavirus-Krise ausgearbeitet. Darüber gibt es schon eine grundsätzliche Einigung, aber gewisse Schritte werden noch ausverhandelt. Dieser „Europäische Erholungsfonds“ könnte womöglich ein Volumen von 1,5 Billionen Euro haben. Ich bin zuversichtlich, dass sich eine europäische Lösung finden wird, um die wirtschaftlichen Horrorauswirkungen der Krise aufzufangen. 


ECHO: Wurde auch schon vor der Krise womöglich zu wenig über finanzielle Vorteile berichtet, von welchen Österreich profitieren konnte?

Kettl: Es ist wahrscheinlich nicht Vielen bekannt, dass das Bundesland Salzburg in den Jahren 1995 – also seit dem österreichischen Beitritt zur EU – bis 2017 eine Steigerung der Exportquote von 428 Prozent erreichte. Vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2017 legte das Bruttoregionalprodukt pro Kopf laut WKS ebenso sehr deutlich zu. Und zwar stieg es von 29.700 Euro auf 50.100 Euro pro Kopf an.


„Ich bin zuversichtlich, dass sich eine europäische Lösung finden wird, um die wirtschaftlichen Horrorauswirkungen der Krise aufzufangen.“


ECHO: Zum Aufbauprogramm der EU kommt noch hinzu, dass ausgerechnet heuer der EU-Finanzrahmen für die nächsten sieben Jahre festgelegt werden sollte.

Kettl: Es wird dabei sicher zu einer Verzahnung mit dem Aufbauprogramm kommen. Natürlich ist es wichtig, den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise entgegenzuwirken, aber die Themen Klimaschutz und erst recht nicht Digitalisierung werden nicht ausradiert werden. Manche sprechen schon von einem Green Deal und einem White Deal. Also es geht um die Umwelt und die Gesundheit. Beide Themen sind global zu sehen und bei beiden geht es um Nachhaltigkeit und um Menschenleben.


ECHO: Wie erlebten Sie die Krise bisher als Leiterin der Stabstelle EU-Bürgerservice und des Europe Direct Informationszentrums Land Salzburg?

Kettl: Für mich war es eine wahnsinnig intensive Arbeitszeit, allein schon von den Anfragen her. Schade war, dass zwei große Veranstaltungen die wir schon fertig durchgeplant hatten, abgesagt werden mussten. Am 13. März hätten wir eine Großveranstaltung mit 600 Jugendlichen in der Großen Aula gehabt. Mit dabei gewesen wäre auch der EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn. Zudem hätte an diesem Tag die Preisverleihung zu „#TrackingEUprojectsnext2u“ stattgefunden, ein Online-Video-Projekt, das EU-Förderungen in Salzburg sichtbar macht. Und für Anfang Mai wäre die Europa-Woche geplant gewesen. Auch die Workshops in den Schulen sind momentan leider nicht durchführbar.


ECHO: Gibt es trotzdem Alternativen, die sich auftun?

Kettl: Ja, das Europe Direct Netzwerk Österreich hat z.B. einen virtuellen Kreativitätswettbewerb ins Leben gerufen. Die wahnsinnig vielen Fake News und Desinformationen über die EU haben durch die Corona-Krise noch einmal zugenommen. Mit dem EU-Mythbusters-Kreativwettbewerb wollen wir klischeehaften Vorurteilen, Falschnachrichten und Verschwörungstheorien entgegenwirken. Mit Hilfe eines selbst gewählten Mediums, egal ob Memes, Comic, Audiodatei, Video, Text oder anderem, können Jugendliche und Erwachsene den Dialog zwischen Mythen und Wirklichkeit anregen. Es geht darum, sich mit den tatsächlichen Abläufen in der EU auseinanderzusetzen. Einreichungen sind bis 30. Juni unter: info@eu-mythbusters.eu möglich. Informieren kann man sich auf der Website: www.eu-mythbusters.eu.


Interview: Christian Granbacher


 

DAS NEUSTE


1 Spannende Familienführung lockt auch die Kleinsten auf die Festung Hohensalzburg!
2 Punkte sammeln und Prämien sichern!
3 Die Krise beschleunigt die Digitalisierung enorm
4 Sieh, das Gute liegt so nah!
5 Wechsel an der Spitze des Raiffeisenverbandes Salzburg




MELDEN SIE SICH FÜR UNSEREN NEWSLETTER AN


ECHO in Salzburg Verlags GmbH

Telefon: +43 662 45 70 90
Fax: +43 662 45 70 90 20

Email: verwaltung@echosalzburg.at

Copyright © 2019 ECHO Salzburg. All rights reserved | AGB | Impressum

Site by: ABBA Expert