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Politik 21/07/2020
In Krisenzeiten nicht den Rotstift ansetzen

Wilfried Haslauer. Salzburgs Landeshauptmann über die Salzburger Festspiele, die Finanzen der Gemeinden und wie man kleine und mittlere Betriebe in diesen schwierigen Zeiten unterstützen will.


ECHO: Die Salzburger Festspiele finden statt, der Tourismus fährt wieder hoch. Viele Veranstaltungen sind jedoch abgesagt und Hoteliers beklagen teilweise noch wenige Buchungen. Überwiegt bei Ihnen als Landeshauptmann die Freude oder die Sorge in diesen ambivalenten Zeiten zwischen Aufbruch und Krise?

Wilfried Haslauer: Ich würde es als Gratwanderung bezeichnen. Alle sind glücklich, dass es wieder eine gewisse Normalisierung gibt, auf der anderen Seite müssen wir natürlich sehr vorsichtig sein, dass es zu keiner zweiten Covid-19-Welle kommt, die wieder einen Shutdown mit sich bringen würde. Bei den Hotels haben wir eine unterschiedliche Situation. Die Ferienhotellerie läuft recht gut und es gibt viele Buchungen, bei der Stadthotellerie ist es noch sehr schwierig, auch da keine Kongresse stattfinden. Die Festspiele gibt es diesmal nur in modifizierter Form. Es ist eine Zeit, welche die Stadthotellerie überbrücken muss. Wir wollen zusätzlich zu den Festspielen von 16. Juli bis 31. Juli aber noch mindestens an zehn Tagen ein kulturelles Angebot präsentieren. Das Format nennt sich „Zwischenräume“. 


ECHO: Wie wichtig ist generell die Signalwirkung, indem die Festspiele nicht abgesagt wurden, auch wenn sie nur in abgespeckter Form, stattfinden?

Haslauer: Dieses Zeichen ist enorm wichtig, es gab eine große Erleichterung. Ich würde bitte nicht das Wort abgespeckt verwenden, sondern Festspiele in modifizierter Form sagen. Abgespeckt hieße ja, dass jemand Speck angesetzt habe und die Festspiele sind sicher ein hocheffizientes Unternehmen, dass dem künstlerischen Raum sehr viel Platz gibt. Aber in der gewohnten Größenordnung können wir die Festspiele dieses Jahr nicht durchführen. Das heißt, wir werden anstatt 230.000 Karten circa 80.000 Karten verkaufen können. Es wird weniger Veranstaltungen geben. Das Jubiläumsprogramm zu 100 Jahre Salzburger Festspiele müssen wir dann schlicht und einfach nachholen. Trotzdem, das Stattfinden der Festspiele ist enorm wichtig für die Stimmung in der Gastronomie, im Handel und im ganzen Land Salzburg.  


ECHO: Auch welche Experten verlassen Sie sich beim Krisenmanagement bezüglich Covid-19?

Haslauer: Wir haben den Landeseinsatzstab einberufen. Eine Organisation mit circa 70 Damen und Herren, aus dem Landesdienst und Freiwilligen, die sehr gut ausgebildet sind. Man kann sich das etwa vorstellen wie ein militärisches Betriebszentrum, bei dem alle Verbindungsoffiziere vom Roten Kreuz, von der Polizei und von anderen Bereichen untergebracht sind. Damit haben wir erreicht, was in anderen Bundesländern möglicherweise nicht so gut funktioniert hat. Uns ist es nämlich gelungen, die einheitliche Führung konsequent umzusetzen und es kam zu keinen widersprechenden Anweisungen. Mit Abnahme der Infektionen konnten wir den Landeseinsatzstab sukzessive herunterfahren und eine Nachfolgeorganisation aufbauen, die eine eigene Dienststelle im Amt der Salzburger Landesdirektion aufgebaut hat. Man hat im Zuge des neuen Clusters in Salzburg nach dem Rotary-Treffen gesehen, wie hervorragend die Arbeit funktioniert hat. Der Einsatzstab hat am Wochenende und in Nachtschichten gearbeitet, um eine Ausbreitung zu verhindern. Kategorie I Kontaktpersonen mussten sofort in Quarantäne geschickt werden und auch die Kategorie II Kontaktpersonen mussten penibel erfasst werden.


ECHO: Das Land Salzburg und die Wirtschaftskammer Salzburg investieren zehn Millionen Euro in die Förderung von Klein- und Mittelbetrieben. Wie wichtig ist diese Maßnahme?

Haslauer: Wir müssen wieder zurückkommen in eine gewisse Normalität, in eine wirtschaftliche Dynamik. Salzburg war diesbezüglich ja das Spitzenland in Österreich. Natürlich sind wir jetzt besonders betroffen, weil wir in der Hotellerie und Gastronomie ein sehr starkes Land sind. Wir müssen wieder investieren und haben ein attraktives Programm für kleinere und mittlere Betriebe und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestellt. Das sind gezielte Investitionen, ich halte dabei nichts vom Gießkannenprinzip. Ich gehe davon aus, dass diese Förderungen eine neue Dynamik bringen werden.  


ECHO: Auch für die Gemeinden wurden finanzielle Hilfen angekündigt. Gibt es dabei schon Neuerungen?

Haslauer: Die Gemeinden sind die wichtigsten Investoren im Land. Es ist sehr bedeutend, dass sie gerade in Krisenzeiten nicht den Rotstift ansetzen, sondern sich zu ihren Investitionen bekennen. Denn jene Investitionen, welche die Gemeinden tätigen, kommen vor allem der regionalen Wirtschaft zu Gute. Dem gegenüber steht, dass die Gemeinden im Zuge des Finanzausgleichs durch das Wegbrechen von Steuereinnahmen weniger Geld zur Verfügung haben werden. Das hat uns dazu bewogen, den Gemeinden 50 Prozent der Minderung aus den Ertragsanteilen, verglichen mit dem Vorjahr, zu ersetzen.  


ECHO: Wenn Sie sich im Land Salzburg umhören, wie ist die Stimmung?

Haslauer: Die Aufbruchstimmung überwiegt, aber man hat gesehen, wie schnell ein Cluster für einen Dämpfer sorgen kann. Insgesamt freuen sich viele über eine gewisse Normalisierung.


Interview: Christian Granbacher


 

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