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Wirtschaft 23/09/2020
Es braucht mehr Frauen, die entscheiden

Wie lange lässt die Gleichberechtigung noch auf sich warten? Erfolgreiche Unternehmerinnen sprachen mit ECHO darüber, welche Schritte nötig sind, damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.


Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar: Bis 1975 (!) durften Frauen in Österreich ohne die Zustimmung ihres Mannes nicht arbeiten gehen. Erst die damalige Familienrechtsreform brachte Neuerungen, wonach die Frau auf diese Erlaubnis nicht mehr angewiesen war. Und erst durch die Sexualstrafrechtsreform von 1989 (!) wurde Vergewaltigung und geschlechtliche Nötigung in der Ehe oder Lebensgemeinschaft strafbar. Vieles in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hat sich während der letzten 100 Jahre verbessert. Das meiste davon mussten Frauenbewegungen mühsam erkämpfen, freiwillig gab es von Seiten der Männer lange wenig Entgegenkommen. Aber auch heute gibt es noch zahlreiche Hürden zu überwinden: Frauen in Führungspositionen? Eher die Ausnahme. Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Fehlanzeige. Frauen im Beruf? Sehr oft nur in Teilzeit.


„Frauen leisten auch mehr unbezahlte Arbeit, wenn sie sich um Kinder und Angehörige kümmern und nebenbei den Haushalt schmeißen. Obwohl die Gleichstellung in der österreichischen Verfassung verankert ist, werden Frauen und Männer 2020 immer noch ungleich behandelt“, schreibt Selina Thaler im Standard. Und weiter: Oft wird Frauen gesagt, sie seien auch selbst schuld: Sie könnten einen Beruf wählen, in dem sie gute Jobchancen hätten und viel verdienten. „Das ist eine ewige Mär“, sagt Thomas Schneidhofer. Er ist Professor für Personalmanagement und Organisation an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Seekirchen am Wallersee und forscht dort zu Karrieren, Macht, Gender- und Diversitätsmanagement. „Frauen allein können nicht für die gesellschaftlich auferlegten Begrenzungen verantwortlich gemacht werden.“ Das bedeutet: Auch Männer müssen anpacken, um die Gleichstellung in der Arbeitswelt voranzutreiben.


DIVERSITÄT FÖRDERN

ECHO sprach mit Frauen, die Führungspositionen innehaben und wollte von Ihnen erfahren, welche Unterschiede sie beim Führungsstil zwischen Männern und Frauen erkennen und welche Schritte es Ihrer Meinung nach braucht, um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu erreichen. „Ich bin kein Fan der Differenzierung von Führungsverhalten nach Geschlechtern – ich denke damit bedient man nur Klischees und Schubladendenken. Jede Führungskraft hat ihre eigene Persönlichkeit und ihren eigenen Führungsstil und es gibt viel mehr Unterschiede im Führungsverständnis und Führungsverhalten basierend auf diesen Persönlichkeitsunterschieden als basierend auf dem Geschlecht“, sagt Sandra Kolleth, Geschäftsführerin von Miele Österreich, Slowenien und Kroatien. Sie ist es auch, die großen Anteil am Cover-Text dieser ECHO-Ausgabe hat (siehe Editorial).


„Ich bin kein Fan der Differenzierung von Führungsverhalten nach Geschlechtern – ich denke damit bedient man nur Klischees und Schubladendenken.“ Sandra Kolleth, Geschäftsführerin von Miele Österreich, Slowenien und Kroatien


Sandra Kolleth kritisiert es gibt insgesamt zu wenig Diversität in Führungspositionen. Das Geschlecht sei dabei nur eine Dimension. Ihrer Meinung nach sollten Führungsteams möglichst heterogen besetzt sein – nur so könne man die Realität einer sehr dynamischen Welt auch in der Führung abbilden. „Und natürlich sprechen die Zahlen – und leider auch die Entwicklung – nicht dafür, dass uns das beim Thema Männer und Frauen schon gelungen ist. Also ja, wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Die Maßnahmen, die es dazu braucht, sind vielfältig – seitens der Unternehmen, seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst und seitens der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Vor allem braucht es dazu aber Führung – egal ob von Frauen oder Männern – die den Nutzen der Diversität kennt, erlebt und fördert“, so Kolleth.


ES GEHT NUR MIT ENTBEHRUNGEN

Im Gegensatz zu Sandra Kolleth, sieht Hermine Meissl wesentliche Unterschiede im Führungsstil zwischen Mann und Frau. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführerin der J. Meissl GmbH, ein Unternehmen aus Pfarrwerfen, das weltweit Schirmbars und Wetterschutzkonzepte verwirklicht. „Frauen sind meist teamorientierter und menschlicher. Männer wollen Probleme meist selber lösen und führen verstärkt über Inhalte und Sachlichkeit. Frauen führen häufig über Emotionen und Beziehungen. Männer entscheiden schneller, sie sind weniger konfliktscheu und auch weniger empathisch in ihren Entscheidungen. Ob Mann oder Frau – wir sind anders und führen anders. Wir sollten den Mut haben, unsere Stärken einzusetzen und unsere Schwächen zu kompensieren“, so Hermine Meissl.


„Ob Mann oder Frau – wir sind anders und führen anders. Wir sollten den Mut haben, unsere Stärken einzusetzen und unsere Schwächen zu kompensieren.“ Hermine Meissl, Inhaberin und Geschäftsführerin der J. Meissl GmbH


Grundsätzlich findet sie es wichtig, dass sich jede Frau gut überlegen muss, ob Sie eine Führungsrolle einnehmen will. „Es ist keine einfache Aufgabe und ohne Entbehrungen geht es nicht. Ob Mann oder Frau, letztendlich zählt immer nur der Erfolg. Die einzigen Grenzen im Prozess der Weiterentwicklung liegen in unserer Vorstellungskraft und dem Vertrauen hierzu“, sagt Meissl. Und sie hat eine Botschaft für alle Frauen, die den Wunsch verspüren eine Führungsaufgabe zu erfüllen. „Haben Sie Mut – die Zukunft der Führung ist weiblich.“


GESCHLECHSNEUTRALE BEWERBUNGEN

Frauen verdienen weniger. Die Geburt von Kindern erklärt zum Teil die schlechtere Einkommensentwicklung gegenüber Männern. Rational nicht erklärbar ist, weshalb Frauen für dieselbe Arbeit, mit derselben Qualifikation, häufig weniger verdienen als Männer. Zudem ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern im EU-Vergleich in Österreich besonders hoch. Dem Problem der ungleichen Bezahlung könnte man mit einer speziellen Methode entgegenwirken. „Es wäre ein moderner Schritt, Bewerbungen geschlechtsneutral anzusetzen. Und ohne Foto. Was unterscheidet uns denn noch, wenn es nicht um eine Arbeit geht, die körperlich sehr anstrengend ist“, fragt Brigitte Maria Gruber, Gründerin und Akademieleiterin der Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee. Und sie gibt selbst eine Antwort: „Das einzige ist, dass Unternehmen bei einer jungen Frau immer damit rechnen, sie könnte demnächst schwanger werden. Wenn Männer vermehrt ihr Recht auf Väterkarenz beanspruchten, wäre dies ein guter Wandel Richtung Chancengleichheit und faire Entlohnung.“


„Es wäre ein moderner Schritt, Bewerbungen geschlechtsneutral anzusetzen.“ Brigitte Maria Gruber, Gründerin und Akademieleiterin der Frauen:Fachakadmie Schloss Mondsee.


WENIGER LAUT, DAFÜR HARTNÄCKIG

Barbara Schenk, Vorstandsvorsitzende bei der hogast, Österreichs führender Einkaufsgenossenschaft für Hotellerie und Gastronomie, ist gegen Generalisierungen. „Ich denke aber, dass manche Eigenschaften bei Frauen stärker und öfter verankert sind. Sachorientierung oder geringeres Hierarchiedenken gehören für mich dazu. Weniger laut, dafür aber manchmal unangenehm konsequent und hartnäckig. Bereit zu delegieren und den Erfolg auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gönnen“, so Schenk, für deren Geschmack viel zu wenige Frauen in Führungspositionen zu finden sind. „Ich bin inzwischen eine Verfechterin von verbindlichen Quoten. Nur so schaffen wir es, dass über weibliche Besetzungen von Funktionen nachgedacht wird. Sonst suchen männliche Kollegen automatisch in ihren naturgemäß männlich dominierten Netzwerken nach Optionen. Es gibt ausreichend Frauen, die top ausgebildet sind und bewiesen haben, dass sie Unternehmen erfolgreich führen und fachliche Herausforderungen exzellent meistern können. In den letzten Jahren sind wir schon in die richtige Richtung unterwegs, aber es ist noch sehr viel Luft nach oben“, sagt Barbara Schenk. Abgesehen davon müssten Strukturen geschaffen werden, die es Frauen ermöglichen die Doppelherausforderung erfolgreich zu meistern, und es brauche breite Akzeptanz für flexible Arbeitszeit und Home-Office. Covid-19 habe zu diesen beiden Themen einen positiven Beitrag geleistet.


„Ich bin inzwischen eine Verfechterin von verbindlichen Quoten. Sonst suchen männliche Kollegen automatisch in ihren naturgemäß männlich dominierten Netzwerken nach Optionen.“ Barbara Schenk, Vorstandsvorsitzende hogast, Österreichs führende Einkaufsgenossenschaft für Hotellerie und Gastronomie


WEIBLICHER LEADERSHIP FUNKTIONIERT

Eine 2019 veröffentlichte Studie der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) fand heraus, dass Unternehmen mit paritätisch besetzten Führungsetagen produktiver sind als solche mit homogen besetzten Führungsetagen. Fast zwei Drittel der Betriebe, die auf eine Durchmischung der Geschlechter in der Firmenleitung setzten, konnten ihre Gewinne steigern. Die Mehrheit erzielte Zuwächse zwischen zehn und 15 Prozent. Der Studie zufolge stellen sich die positiven Effekte geschlechtlicher Vielfalt dann ein, wenn zumindest 30 Prozent der Führungsrollen von Frauen eingenommen werden.


„Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein gesellschaftliches Thema und muss durch Männer und Frauen gemeinsam vorangetrieben werden.“ Petra Fuchs, Landesdirektorin der Salzburger Oberbank


Auch Petra Fuchs, die Landesdirektorin der Salzburger Oberbank, denkt es gibt aktuell definitiv zu wenig Frauen in Führungspositionen. „Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein gesellschaftliches Thema und muss durch Männer und Frauen gemeinsam vorangetrieben werden. Wir müssen neue Wege gehen und bereits an den Schulen und Universitäten das Thema Frau und Führung aufgreifen. Es braucht weibliche Role Models und man kann Konzepte aus anderen Ländern wie Island heranziehen, um zu sehen, wie gut weiblicher Leadership funktioniert“, so Fuchs. Geschult werden müssten ihrer Meinung nach vor allem auch die jugendlichen Burschen. „Denn Männer fördern nach wie vor Männer.“ Zudem brauche es laut der Landesdirektorin der Oberbank Salzburg transparentere Verfahren für die Besetzung von Führungspositionen.


VORBILDER FÜR DIE NÄCHSTE GENERATION

Vor allem in herausfordernden Zeiten wie diesen, im Schatten der Coronakrise, ist es schwierig ein Unternehmen zu führen. Der richtige Umgang mit dem Personal ist aktuell besonders gefragt. „Am wichtigsten ist für mich, die individuellen Umstände meiner Mitarbeiter zu kennen und darauf einzugehen, Ängste zu nehmen und die Gewissheit zu vermitteln, dass ich alles daran setze ihren Arbeitsplatz zu sichern. Im Zuge der Wiedereröffnung konnten wir auf dieser Grundlage Zusammenhalt und Stärke zeigen und unseren Kunden und Mitarbeitern Sicherheit vermitteln“, sagt Tessa Irlbacher, die Chefin von knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Sie ist Geschäftsführerin der IKO Europe Gmbh (Salzburg) sowie Geschäftsführerin des Einzelhandels der IKO Sportartikel und Handels Gmbh (Raubling). Die beiden großflächigen Filialen bieten alles zum Thema Rad und Berg.


„Eltern sowie unterstützende Partner und eine notwendige Vorbereitung, wie auch ein starkes Team im Beruf sind wichtige Säulen für uns – die es möglich machen, uns nicht entscheiden zu müssen, sondern Beruf und Familie vereinen zu können.“ Tessa Irlbacher, Geschäftsführerin der IKO Europe Gmbh (Salzburg) sowie Geschäftsführerin des Einzelhandels der IKO Sportartikel und Handels Gmbh (Raubling)


Die junge Unternehmerin sieht die Zukunft durchaus optimistisch: „Die vergangenen Jahrzehnte betrachtet, sind immer mehr Frauen in wirtschaftliche Führungspositionen gelangt. Ein Prozess der sich vermutlich weiter fortsetzen wird. Ich freue mich über jede Frau in einer Führungsposition, da sie alle als Vorbilder meiner und der folgenden Generation gelten“, so Irlbacher. Nicht nachvollziehbar ist für sie, weshalb Frauen sich die Frage stellen müssten Familie oder Karriere. „Dieses entweder oder entspricht nicht der Realität. Eltern sowie unterstützende Partner und eine notwendige Vorbereitung, wie auch ein starkes Team im Beruf sind wichtige Säulen für uns – die es möglich machen, uns nicht entscheiden zu müssen, sondern Beruf und Familie vereinen zu können.“


Christian Granbacher

 

DAS NEUSTE


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3 Es braucht mehr Frauen, die entscheiden
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