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Politik 24/11/2020
Wir müssen über den Winter kommen

Im Gespräch mit ECHO. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer über Impfungen als Licht am Ende des Tunnels, den Wirtschaftsstandort Salzburg, Elektroautos und die FPÖ, die seiner Meinung nach aktuell einen totalen Konfrontationskurs fährt.


ECHO: Negative Schlagzeilen dominieren derzeit und Corona überschattet viele Lebensbereiche. Gibt es irgendwelche positiven Prognosen, auf die Sie verweisen können, die den Salzburgerinnen und Salzburgern Hoffnung machen?

Wilfried Haslauer: Die entscheidende Aufgabe für uns alle besteht jetzt darin über den Winter zu kommen. Gesellschaftlich, in persönlicher, in gesundheitlicher und auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist eine sehr fordernde Situation für unser Land, die in alle Bereiche hineinspielt. Das Kappen und Reduzieren der sozialen Kontakte ist für alle Beteiligten sehr schwierig. Auch für uns selbst, sowohl privat als auch beruflich. Hoffnung macht, dass von denjenigen die etwas davon verstehen, gesagt wird, dass es im Frühjahr einen Impfstoff geben wird. Für Jänner wurde für Salzburg eine Lieferung von 41.000 Impfdosen angekündigt. Wir brauchen dieses Licht am Ende des Tunnels.


ECHO: In Salzburg gibt es große Konzerne wie Spar, Porsche, Red Bull oder dm drogeriemarkt. Wie wichtig sind diese Flaggschiffe derzeit und wie bedeutend sind die gesamten mittelständischen Unternehmen?

Haslauer: Beide Bereiche sind sehr wichtig. Man sieht sehr gut, wie die wirtschaftliche Infrastruktur in Salzburg auf mehreren Beinen steht. Zum einen die Industrie, also der produzierende Bereich, der oft unterschätzt wird, aber in etwa gleich groß ist wie der Tourismus. Dann der Dienstleistungsbereich, zu dem auch der Handel zählt. Spar steuert von Salzburg aus 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Porsche bewegt sich in der ähnlichen Größenordnung. Auch BMW hat die Zentrale in Salzburg, nicht nur österreichweit, sondern international. Wie es den Unternehmen ergeht ist momentan sehr branchenabhängig. Die Autoindustrie erlebt ohnehin einen großen technischen Wandelprozess, was doch als große Herausforderung zu sehen ist. Alternative Antriebsformen wie Elektromotoren, Hybridmotoren oder Wasserstoff bringen ganz andere Produktionstechniken mit sich. 


ECHO: Steht die Politik diesen Unternehmen beratend zur Seite?

Haslauer: Die Unternehmen wissen selber was zu tun ist, denn sie kennen den Markt und die Entwicklungen ganz genau. Salzburg ist gar nicht einmal so ein kleines Autozulieferer-Land. Wir sehen bei den alternativen Antriebsformen einen starken Anstieg. Die Frage wird sein, wie es mit der Energiegewinnung weitergeht. Haben wir genügend Tankstellennetze? Die Entwicklung in diesem Bereich ist nicht so schlecht. Viele halten die Reichweiten noch davon ab, ein E-Auto zu kaufen. Ich fahre ein E-Auto als Dienstwagen und habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht. 


ECHO: Sind es für Sie momentan die schwierigsten Zeiten Ihrer politischen Karriere?

Haslauer: Ja, es ist schon herausfordernd. Ich habe als Politiker schon ein paar Krisen erlebt. Den Finanzskandal, die Flüchtlingskrise und jetzt Covid-19. Jede Krise war anders und auch fordernd. Diese Krise belastet mich schon, weil so eine Pandemie ein unsichtbarer Feind ist, den man nicht greifen kann. Man sieht ihn nicht und er entwickelt sich nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. Man hängt der Entwicklung sozusagen hinterher. Und wenn man vorgreifend tätig ist, dann fehlt die Akzeptanz. Das ist das Dilemma in dem wir uns befinden. Das Kernproblem ist, dass die Ansteckungsgefahr bei den privaten sozialen Kontakten am höchsten ist. Genau dort greifen wir am wenigsten gern ein. Aber wir müssen momentan eigentlich unsere ganze Kultur umstellen und auf vieles verzichten.  


ECHO: Sie haben in Salzburg nie eine Koalition mit der FPÖ angestrebt. Bezüglich des Themas Corona gibt es von den Blauen regelmäßig Angriffe auf die Landesregierung. Fühlen Sie sich bestätigt, keine Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ gesucht zu haben?

Haslauer: Die FPÖ fährt einen totalen Konfrontations- und Negativkurs. Also Oppositionspartei bleibt ihr das unbenommen. Es ist jetzt nicht wahnsinnig verantwortungsbewusst, aber sie schaut glaube ich weniger auf das Land oder die Gesellschaft insgesamt, sondern mehr auf jene Gruppen oder Bereiche die sie ansprechen kann.


ECHO: Hätten Sie in Anbetracht der Schwere dieser Krise mit mehr Kooperation gerechnet?

Haslauer: Die gab es im Frühjahr. Zu Beginn herrschte großer Konsens darüber, was die Gefährlichkeit dieser Krankheit betrifft. Und es gab auch einen starken Schulterschluss bezüglich der Maßnahmen. Das hat sich zerbröselt, muss man ganz ehrlich sagen. Die Situation jetzt unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Frühjahr. Erstens gibt es mangelnde Geschlossenheit in der Politik, zweitens gibt es einen offen ausgetragenen Diskurs der Wissenschaft, die ja relativ unterschiedliche Einschätzungen über die Gefährlichkeit der Pandemie hat. Und drittens gibt es eine gewisse Größenordnung an Personen, die das Virus überhaupt leugnen oder als Grippe abtun. Letztlich geht es bei allem um eine sehr ethische Frage. Sie heißt: Welche Ressourcen stellt man für Ältere und Schwächere sowie Personen mit Vorerkrankungen zur Verfügung, zum Preis der Einschränkung unseres sozialen und wirtschaftlichen Lebens? Eine sehr schwierige Frage.


ECHO: In Österreich stellt man eindeutig die Menschenleben in den Vordergrund.

Haslauer: Ja schon.


ECHO: Die Schweden hingegen akzeptieren es zu einem großen Teil in der Gesellschaft, wenn jemand im hohen Alter nicht mehr behandelt wird.

Haslauer: Bei uns gibt es auch einen ganz anderen Zugang zur Sterbehilfe. Da haben wir eine andere Sichtweise, die vom Großteil der europäischen Staaten geteilt wird. Deshalb befindet sich im Grunde genommen so gut wie ganz Europa im Lockdown. In Italien, dem feierfreundlichsten Land der Welt, ist um 18 Uhr Sperrstunde.


ECHO: Wir groß ist Ihre Hoffnung, dass die touristische Wintersaison halbwegs gut verläuft?

Haslauer: Unsere Hauptherkunftsmärkte sind Deutschland mit 35 bis 40 Prozent und Österreich mit 21 Prozent. Relativ stark sind auch die Niederlande und Tschechien. Zentraleuropäische Länder, wo es schon sehr schwierig sein wird. Wir haben noch ein gewisses Potenzial an österreichischen Urlaubern, die davor keinen Winterurlaub gemacht haben oder irgendwo hingeflogen sind wo es wärmer ist. Das ist aber eine eher kleine Gruppe. Es wird den Wintertourismus schwer treffen, aber wie gesagt: Wir müssen auch in diesem Bereich irgendwie über diesen Winter drüberkommen.


Interview: Christian Granbacher



 

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