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Gesundheit 18/01/2021
Eine Frage des Vertrauens

COVID-19 Impfung. Längst schon hat die Debatte um die Heilsbringung jene des Übels abgelöst. Und es scheint nur noch ein Gebot der Stunde zu geben: Die impfkritische Gemeinde ins Boot zu holen.

 

Auch in Salzburg laufen die Vorbereitungen für die nahende COVID-19 Impfung auf Hochtouren. Emsig arbeiten die Impfkoordinatoren an der von der Bundesregierung vorgegebenen Phasenplanung und touren durch Stadt und Land, um durch eine Bedarfserhebung Klarheit über die impfbereite Bevölkerung zu erhalten. Doch die bisherige Rückmeldung offenbare Luft nach oben, heißt es von Seiten der Salzburger Landessanitätsdirektion. So gibt es auch in Salzburg ebenso vehemente Befürworter wie unbeugsame Gegner der nahenden Impfung, dazwischen jene im Nebel der Verunsicherung. Das Vertrauen in Wissenschaft, Medizin, Pharmaindustrie und Entscheidungsträger wankt aber nicht erst seit COVID-19. Wer sich zurückerinnert, weiß, dass es diese Debatten auch schon früher gegeben hatte. So schrieb ECHO etwa im Jahr 2008, als ein erneuter Masernausbruch Europa in Atem hielt, über „wiederkehrende Pandemie-Mechanismen zwischen Panikmache, Bagatellisierung und zunehmender Impfmüdigkeit“. Gegner der Schutzimpfung hatte es indes schon immer gegeben: So hatte der große Philosoph Immanuel Kant seinerzeit davor gewarnt, dass mit den Kuhpocken den Menschen auch die „tierische Brutalität“ eingeimpft werde und schon ab 1870 bildeten sich lokale „Impfzwanggegnervereine“ und Druckwerke wie „Der Impfgegner“.


Problem der Offenlegung

So hört man auch im Jahr 2020 nur verhaltenen Jubel trotz der Tatsache, dass aufgrund immenser medizinischer Fortschritte und in einem speziell parallel verlaufenden Eiltestverfahren mehr als 51 Impfstoffkandidaten in den Startlöchern von Phase III stehen, um die wohl größte Pandemie der letzten Jahrzehnte auszurotten. Stattdessen ratlose Gesichter, vor allem aber viele kritische Stimmen angesichts der Tatsache, dass es ausgerechnet der neuartige ominöse mRNA Impfstoff sein wird, der in unsere Oberarme will. Nur knapp die Hälfte der österreichischen Bevölkerung will sich laut einer Umfrage des Gallup-Instituts vom November gegen COVID-19 impfen lassen, wenn der Impfstoff sicher und wirksam ist. Doch gerade die Unklarheiten in der Sicherheit und Wirksamkeit beherrschen die Menschen in ihrer Impfentscheidung. „Das Problem ist, dass rund um die Impfstoffe große Betriebsgeheimnisse herrschen, da erfährt man als Laie ziemlich wenig“, sagt die Salzburger Grundschullehrerin Petra Cortiel, die sich seit über zwanzig Jahren mit dem Thema „Impfen“ befasst und im Zuge ihrer Recherchen an viele verschlossene Türen stieß, die sie immer mehr in die Ecke der „Impfskeptiker“ drängten. Allerdings sieht Cortiel auch einen Vorteil in der aktuellen Pandemie: „Dadurch dass eine Impfpflicht im Raum steht, wird sich jeder mit dem Thema auseinandersetzen müssen.“


Um Vertrauensbildung bemüht

Seitens der Salzburger Landessanitätsdirektion zeigt man durchaus Verständnis für die Bedenken von impfkritischen Menschen und man verspricht volle Unterstützung und Transparenz „Es gibt für jeden Impfstoff ausreichend Fachinformation auf Gesundheitsseiten im Internet und auch nach der Impfung werden wir in Phase IV-Studien die Geimpften weiter beobachten, um Nebenwirkungen oder sonstige Komplikationen über längere Zeiträume aufzudecken“, sagt Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz. Bereits ab Heiligabend rechnet man mit den ersten Impfdosen, gleich danach soll die Verabreichung gemäß dem Stufenplan der Bundesregierung folgen (siehe auch Impfplan Seite 24, Anm.d.Red.). Wobei es die Überlegung gibt, die Impfkompetenz – je nach dem Impfwillen der Salzburger Bevölkerung – auch an weitere Berufsgruppen wie etwa diplomiertem Pflegepersonal zu übertragen. „Allerdings immer nur nach Anordnung der Ärzte, die auch für Impfaufklärung und -indikation zuständig sind“, so Juhasz. Und wenn die Impfquote von 60 Prozent für Herdenimmunität nicht hält? „Es wäre mir lieber, wenn wir die Leute freiwillig dazu bewegen könnten.“ Von Impflicht hält die Landessanitätsdirektorin demnach wenig, wäre da nicht das Problem der Gefährdung anderer Personen. 


Damoklesschwert „Impfpflicht“?

Was in Österreich derzeit im Gespräch ist, ist in 12 der 27 EU-Mitgliedsstaaten bereits Realität, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. So hat beispielsweise die italienische Regierung von ursprünglich 4 auf 10 Pflichtimpfungen ausgeweitet. In Frankreich müssen Eltern einen Impfnachweis vorlegen, sobald das Kind in die Krippe oder in die Schule kommt. Erst im März dieses Jahres hat auch Deutschland eine bundesweite Impfpflicht gegen Masern für Kinder und Personal in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen beschlossen. Auch die Geschichte der Impfpflicht ist fast so alt wie die Impfungen selbst. Bereits 1853 beschlossen die Briten mit dem „Vaccination Act“, dass alle Kinder in ihren ersten drei Lebensmonaten gegen Pocken geimpft werden müssen. Weigerten sich die Eltern, wurde eine Strafe fällig - die allerdings fast nie verhängt wurde.


Immer mehr Ärzte und Experten inklusive der Österreichischen Ärztekammer fordern demnach auch in Österreich eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus. Eine gesetzlich vorgeschriebene Schutzimpfung bedeutet zwar in gewisser Weise ein Eingreifen in die persönliche Freiheit – rechtswidrig wäre dies allerdings nicht, wenn es darum geht, die Bevölkerung zu schützen. Der Salzburger Gefäßchirurg Heinrich Magometschnigg spricht also für viele, wenn er sagt: „Für mich ist eine Impfung alternativlos, denn nur so lässt sich der Virus nachhaltig bekämpfen.“ Überhaupt sieht der Mediziner die Impfung als die größte Errungenschaft der Medizin an. „Viele haben scheinbar vergessen, was sich über hundert Jahre bewährt hat“, so der Mediziner, der sich dennoch gegen eine allgemeine Impfpflicht ausspricht. „Allerdings sollten all jene, die sich nicht impfen lassen, weiterhin zu Schutzmaßnahmen verpflichtet werden.“


„In einer Demokratie sollte Meinungsfreiheit immer noch oberstes Prinzip sein.“ Petra Cortiel, Grundschullehrerin und Leiterin der Impfkritischen Elterngruppe Salzburg


Sind wir Verdrängungskünstler?

Die Gegner des Vakzins erreicht diese Botschaft freilich nicht. Fehlende Langzeitstudien, mangelhafte Sicherheit sowie Ängste vor Impfschäden und genbasierten Impfstoffen sind nur einige der Argumente von Impfkritikern, aber auch eine zunehmend einseitige und verunglimpfende mediale Berichterstattung, deren Ursprung viele hinterfragen. Es bestehe seitens der „Mainstreammedien“ auch keinerlei Interesse, den vielen Fragen nachzugehen. „In einer Demokratie sollte Meinungsfreiheit immer noch oberstes Prinzip sein, weil Schubladisierungen und Panikmache zwangsläufig zu einer großen Spaltung in der Gesellschaft führen“, gibt Petra Cortiel zu bedenken. Diese Entwicklung ist nicht erst seit Ausbruch der Schweinegrippe im Jahr 2009 zu beobachten, als sich nach medialer Aufregung die Erkrankung als harmloser als gedacht herausstellte und Berichte über Nebenwirkungen wie Narkolepsie – eine Art Schlafkrankheit – kursierten. Schon damals kritisierten viele, dass aufgrund der Eile die Standards zu stark heruntergesetzt wurden. Inzwischen hat das heute offiziell „(A)H1N1pdm09“ genannte Virus weitgehend seinen Schrecken verloren und gehört zu den jährlich auftretenden saisonalen sogenannten neuen Grippeviren mit dazu. Diesen Vergleich lässt Heinrich Magometschnigg nicht gelten: „Es wäre fatal und auch höchst fahrlässig, bei Corona auf eine natürliche Herdenimmunität zu setzen, wenn wir nicht hunderte Millionen Todesopfer beklagen wollen.“ Vielfach wurde in Expertenkreisen bereits auf den heimtückischen Verlauf der Covid-19 Erkrankung hingewiesen: Höhere Letalität, längere Beatmungsdauer, folglich völlige Überlastung des Gesundheitssystems. 


„Es hat jeder ein Recht auf Zugang zu Informationen über Impfstoffe und ausführliche Impfaufklärung.“ Dr. Petra Juhasz, Leiterin der Landessanitätsdirektion Salzburg

 

Die Sache mit der Angst

„Klarerweise führen unterschiedliche Meinungen zu Unsicherheiten, wenn selbst die Wissenschaft nicht immer einig ist“, beklagt Petra Juhasz auch eine mangelhafte Diskussion innerhalb der Entscheidungsträger. Zweiflern sei aber gesagt, dass der genbasierte mRNA Mechanismus nicht ganz neu ist: Getestet wurde er bereits bei den Erregern der MERS und SARS Coronaviren vor Jahrzehnten, ebenso kommt er bereits als Medikament in der Krebsmedizin zum Einsatz. Zwar bedauert die promovierte Allgemeinmedizinerin, dass der Impfstoff in seiner Wirksamkeit bislang die Übertragung nicht verhindern, sondern nur individuellen Schutz bieten kann, in Bezug auf die Sicherheit gibt sie aber Entwarnung: „Es finden sich keine Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen.“ Sollte es aber doch zu schweren körperlichen Schäden kommen, dann ist wie bei jedem anderen Arzneimittel ein Arzt verpflichtet, Meldung an das Bundesamt für Arzneisicherheit zu machen. Diese wird nach dem Impfschadensgesetz geprüft und gegebenenfalls zu staatlicher Entschädigung führen, in mehreren Fällen kann der Impfstoff sogar vom Markt genommen werden. Bleibt also noch die Frage der fehlenden Langzeitstudien, in deren Verlaufszeit sich viele Menschen als Versuchskaninchen sehen. Hier argumentieren Mediziner wie Heinrich Magometschnigg, dass man bei mehr als 40.000 Probanden in Testphase III nicht mehr von Versuchen sprechen könne.

 

Und er verweist dabei auf ein Zitat des deutschen Pharmakologen Gustav Kuschinsky: „Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkungen hat, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat.“ Für den ehemaligen ärztlichen Leiter der Salzburger Landeskliniken ist eine Impfung alternativlos und keine Frage des Einzelnen, sondern ein Solidarakt.

 

Und wie steht es mit der Selbstbestimmung des Einzelnen? Da wird Heinrich Magometschnigg richtig geladen: „Denen muss gesagt sein, dass sie den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte nicht mehr gewachsen sein werden, wenn sie sich nur auf sich selbst beziehen.“ 


„Die Impfung ist keine Frage des Einzelnen, sondern ein Solidarakt.“ Primar Univ.-Prof. Dr. med. Heinrich Magometschnigg, Salzburger Gefäßchirurg und ehemaliger Ärztlicher Direktor des LKH Salzburg

 

Ein bisschen impfen geht nicht

Wie also ist es um das Gemeinwohldenken der Österreicherinnen und Österreicher bestellt? Aufschluss kann hier vielleicht die Sozialpsychologie geben. „Die Individualisierung hat sicher zu einem Mangel an Gemeinwohldenken geführt. Das zeigt sich in der aktuellen Krise daran, dass weniger daran gedacht wird, wie man dem Anderen helfen kann, sondern mehr daran, worunter es einem selbst mangeln könnte. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass eine Pandemie die ganze Gesellschaft betrifft und folglich kann unsere derzeitige Krise auch nur gemeinsam und bestenfalls solidarisch gelöst werden“, sagt Gertraud Meusburger, Gesundheitspsychologin und Leiterin der psychologischen Studierendenberatung Salzburg. 

 

Bevor eine Impfung also verpflichtend wird, ist die Vermittlung von sachlicher Information und Aufklärung unter Einbindung der kritischen Gemeinde wohl der einzige Weg, die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen. Allerdings stellt die Psychologin klar: „Es braucht in diesem Zusammenhang noch sehr viele vertrauensbildende Maßnahmen, die auch auf die Ängste und Befürchtungen der Menschen eingehen. Zusätzlich kann eine seriöse mediale Aufbereitung vorliegender Expertisen verstehbare Ängste und Zweifel reduzieren.“ 

 

Gerti Krawanja



Foto: shutterstock

 

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