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Wirtschaft 19/02/2020
Überraschende Wende im Ökombi-Verfahren

Betrugsvorwurf. Der Geschäftsführer sowie der Chefbuchhalter der ehemaligen Ökombi müssen sich wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht verantworten. Zeugen brachten vor Gericht zahlreiches belastendes Material ans Tageslicht.


Schon im August 2010 nahm die Wirtschaftspolizei Wien Ermittlungen gegen die Spitze der früheren Ökombi GmbH & Co. KG (Ökombi) auf. Untersucht wurden Vorwürfe der Untreue, des Betrugs und der Bilanzfälschung. Das Unternehmen Ökombi organisierte für seine Kunden, die größtenteils auch seine Kommanditisten waren, die Zugverkehre für zumeist beladene Sattelzüge und wurde unter dem Motto "Rollende Landstraße" bekannt.


Der Ex-Geschäftsführer der damaligen Ökombi Stefan H. und der frühere Chefbuchhalter Hermann D., müssen sich aktuell vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Stefan H. soll zwischen 1999 und 2004 Scheinrückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe gewinnminimierend in die Buchhaltung der Ökombi aufgenommen haben. Hermann D. soll ihm dabei aus Angst den Job zu verlieren geholfen haben. Die jährlich wiederkehrend fiktiven Rückstellungen in der Bilanz seien mittels fiktiver Rechnungen und Gutschriften im jeweils darauffolgenden Jahr wieder aufgelöst worden. Die Staatsanwaltschaft argumentiert: Während für die beteiligten Frächter – es waren einst rund 350 Unternehmen als Kommanditisten beteiligt – die Lage des Unternehmens schlechter dargestellt wurde, als sie in Wahrheit gewesen sei, habe Geschäftsführer Stefan H. seine Anteile als auch die seiner Frau (auch für sie gilt die Unschuldsvermutung) mittels Insichgeschäfte deutlich erhöhen können. So hätten die beiden für sich im Zuge der Auflösung der Ökombi eine viel höhere Gewinnausschüttung erzielt. Den anderen Kommanditisten wurde es größtenteils verwehrt, ihre Anteile zu erhöhen. Während der ehemalige Ökombi-Chefbuchhalter die Vorwürfe der Anklage zugibt, weist der Ex-Geschäftsführer diese zum allergrößten Teil zurück.


AN DIE WAND GEFAHREN

Den ganzen „Fall Ökombi“ ins Rollen gebracht haben der Salzburger Logistiker Franz Blum und der Tiroler Steuerberater und frühere Transportunternehmer Peter Grüner, indem sie 2010 Anzeige erstatteten. Blum ist überzeugt, ohne die vermeintliche Rückendeckung des damaligen prominent besetzten Aufsichtsrats der Ökombi wäre der mutmaßliche Betrug nicht möglich gewesen. Gerade auch die Zusammenhänge im Zuge der nur übertragenen Assets zu Buchwerten an die ÖBB seien bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Zu einer Due Dilligence bei der Ökombi sei die ÖBB vom Aufsichtsrat vermeintlich niemals eingeladen worden. „Man hat ein wertvolles Unternehmen dem Anschein nach absichtlich gegen die Wand gefahren“, sagt Franz Blum. Wegen der mutmaßlichen Bilanztricksereien sei die Ökombi de facto unverkäuflich geworden. Durch das vermeintlich bewusste gegen die Wand fahren der Ökombi müsse laut Franz Blum sein Unternehmen VEGA heute seine Ganzzüge bei einem deutschen Unternehmen einkaufen. Es habe sich der Eindruck verdichtet, die Führung der Ökombi habe als einzige Option die Liquidation der Gesellschaft favorisiert und den Kommanditisten durch die Auflösung von Rückstellungen schmackhaft gemacht. So sei die mutmaßlich viel zu billige "Übernahme" der Ökombi durch die ÖBB erfolgt. Blum schätzt den daraus entstandenen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Zugleich habe sich der Ex-Geschäftsführer Stefan H. laut Blum vermeintlich einen Vorteil von etwa acht Millionen Euro verschafft.

 

BELASTENDE AUSSAGEN

Der frühere Ökombi-Aufsichtsratsvorsitzende Max Schachinger führte Ende November als Zeuge vor Gericht aus, dass jeweils am Jahresende Streitthemen mit der deutschen Kombi überblieben: „Ich war selbst zwei Mal dabei mit KomRat Friedrich. Das waren unvorstellbare Streitthemen, es ging um Millionen.“ berichtet Max Schachinger. Unterschiedliche Auffassungen, Rabatte, Stornos, etc. „haben klarerweise zu Rückstellungen geführt“, setzte Schachinger nach. „Wenn das nicht gewesen wäre, hätten wir dort gar keine Rückstellungen gebraucht. Jeder wusste, dass wir um Millionen stritten. Da kann doch nicht auf einmal das Kombi KG Risiko null sein“, gab Schachinger zu Protokoll..


Richterin Marion Hohenecker, sprach anschließend noch davon, den Fall bald abschließen zu wollen. Daraus wurde allerdings nichts. Denn die bis dato letzte Hauptverhandlung Mitte Februar brachte so manche Überraschung zu Tage.



Sabine K. als Leiterin des Finanz- u. Rechnungswesens des deutschen Partnerunternehmens Kombiverkehr brachte als Zeugin das Original einer mutmaßlich gefälschten Saldenbestätigung mit in den Gerichtssaal. Nicht zehn sondern acht Seiten hat das Original, so die Zeugin. „Unsere Buchhaltung ist einwandfrei.“ Ihr ebenfalls im Zeugenstand einvernommener Kollege, Christian F., Kaufmännischer Leiter und Prokurist, führte auf Nachfrage aus, dass beispielsweise für das Jahr 2003 die Kombiverkehr der Ökombi 27.998 Euro zu zahlen hatte, „nicht umgekehrt“. Für das Jahr 2004 seien es 7.565 Euro gewesen. „Forderungen der Ökombi an uns“, merkte der Zeuge an. Ein Szenario für Rückstellungen der Ökombi im Verhältnis zur Kombiverkehr habe es laut Christian F. niemals gegeben, auch keine Jahres- und Bonusrabatte. Zum Gerichtssachverständigen merkte der Zeuge Christian F. an: „Er hat unser Unternehmen nie kontaktiert.“


Der Gerichtssachverständige Martin G. wurde vom Gericht aufgefordert sein bereits erstattetes Gutachten zu ergänzen. Die Staatsanwaltschaft sowie die privatbeteiligten Kläger forderten eine Reihe weiterer Zeugen und ehemals handelnde Personen aus der Großbetriebsprüfung Wien an. Das Verfahren wird nach Erstattung des Ergänzungsgutachtens fortgesetzt werden.


Christian Granbacher  


 

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