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Wirtschaft 28/11/2023
„Es ist nicht gut, den Erwerb von Eigentum zu erschweren“

Heinz Konrad, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg sprach mit ECHO über die aktuelle Zinssituation, die Sinnhaftigkeit der KIM-Verordnung und mögliche Ideen für eine neue Salzburger Wohnbauförderung.


ECHO: Das Konsumentenschutzministerium sagt, es sei inakzeptabel, dass die Banken hohe Sollzinsen verlangen, für Girokonten aber so gut wie keine Zinsen anbieten. Und der Verein für Konsumenteninformation wurde diesbezüglich sogar mit einer Verbandsklage beauftragt. Wie sehen Sie diese Situation? 

Heinz Konrad: Die Kritik der Konsumentenschützer ist meines Erachtens überschießend und auch nicht gerechtfertigt. Private Girokonten dienen primär dem Zahlungsverkehr und nicht der Veranlagung liquider Mittel. Dafür gibt es qualifizierte Sparprodukte, wobei man durchaus feststellen kann, dass die österreichischen Banken hier sehr attraktive Zinsen anbieten. Wenn man Finanzbedarf hat, dann ist es zweckmäßig, einen klassischen Kredit mit Rückzahlung in Anspruch zu nehmen, der dann auch marktkonform verzinst wird. Was Kontoüberziehungen betrifft, sind diese für eine Bank immer besonders risikobehaftet und daher auch mit höheren Zinsen versehen. 


ECHO: Abgesehen vom Girokonto, warum gibt es die Diskrepanz zwischen Spar- und Kreditzinsen? Bei den Habenzinsen gab es nur eine langsame Annährung an den europäischen Leitzins, bei Krediten waren rasch vier, fünf oder gar sechs Prozent fällig. 

Konrad: Die Zinsen sind auch bei Spareinlagen deutlich gestiegen. Viele österreichische Banken bieten derzeit auf Online Sparkonten für täglich fällige Einlagen drei Prozent. 


ECHO: Also bei Ihnen erhalten Kunden für ein Sparkonto drei Prozent Zinsen?

Konrad: Für unser Online-Sparkonto erhält man täglich fällig drei Prozent. Man kann generell sagen, dass Sparprodukte marktkonform verzinst sind. Es gilt auch festzuhalten, dass die österreichischen Banken die Zinsen im Sparbereich wesentlich rascher an die Kunden weitergegeben haben, als andere europäische Staaten. 


ECHO: Viele sprechen schon von einer Rezession. Spüren Sie einen Rückgang bei den Unternehmenskrediten?

Konrad: Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sind aktuell nicht sehr gut. Wir haben nach wie vor sehr hohe Energiepreise und die Zinsen sind in den letzten 15 Monaten stark gestiegen. Wir verzeichnen noch immer eine hohe Inflation, was bedeutet, dass die Unternehmen auch heuer wieder mit höheren Lohnabschlüssen bei den Tarifverhandlungen rechnen müssen. Es gibt einen Fachkräftemangel und dann noch die geopolitischen Probleme, wie den Krieg Russlands in der Ukraine oder aktuell in Nahost. Viele Unternehmen sind derzeit verunsichert und schieben Investitionen erst einmal auf. Wir konnten zuletzt auf Unternehmerseite bei der Kreditnachfrage deutliche Rückgänge feststellen.


ECHO: Lassen sich diese Rückgänge in Zahlen ausdrücken?

Konrad: In den letzten Jahren war das Kreditwachstum sehr stark. Die Unternehmenskredite sind von Jahr zu Jahr stetig um mehr als fünf Prozent angestiegen. Heuer wird es hingegen nur ein sehr geringes Wachstum geben, das bei einem, maximal zwei Prozent liegen wird. 


ECHO: Der private Wohnbaumarkt ist österreichweit eingebrochen. Denken Sie die KIM-Verordnung verhindert unnötiger Weise Kredite, die eigentlich vergeben werden könnten oder ist sie zielführend, um die Bürgerinnen und Bürger vor Überschuldung zu schützen? 

Konrad: Die KIM-Verordnung wurde von der Finanzmarktaufsicht erlassen,

um systemische Risken aus dem Wohnbaufinanzierungsgeschäft für Banken zu verhindern. Meines Erachtens wäre diese Verordnung nicht notwendig gewesen, weil die österreichischen Banken bei der Kreditvergabe ohnehin sehr sorgfältig umgehen. Durch die stark gestiegenen Zinsen bräuchte es die Verordnung aber ohnehin nicht mehr, da es unter diesen Rahmenbedingungen gerade für junge Familien sehr schwierig geworden ist, die Bedienung von Krediten darzustellen.

Dass die monatliche Kreditrate laut der KIM-Verordnung 40 Prozent des Haushaltseinkommens nicht übersteigen darf, ist sicher zu hinterfragen. Denn viele Haushalte benötigen derzeit schon mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens, um ihre Miete zu bezahlen. Auf lange Sicht ist es gesellschaftspolitisch nicht gut, wenn der Erwerb von Eigentum erschwert wird. Denn eine Immobilie zu besitzen, ist im Alter der beste Rückhalt, um nicht in die Altersarmut zu rutschen. 


ECHO: Die neue Wohnbauförderung im Bundesland Salzburg wird es voraussichtlich erst 2025 geben. Die Politik hat angekündigt, eine Allianz für leistbaren Wohnbau zu schmieden, wobei man Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und die Banken mit ins Boot holen möchte. Gab es schon eine Kontaktaufnahme mit der Raiffeisenbank?

Konrad: Unsere Sparte Bank und Versicherung hat schon Gespräche geführt und wir haben einen sehr guten Kontakt zu Wohnbaulandesrat Martin Zauner. Wir haben einen Vorschlag eingebracht, um die Wohnbauförderung vielleicht etwas effizienter zu gestalten. 


ECHO: Welchen Vorschlag gab es Ihrerseits?

Konrad: Grundsätzlich finden wir die aktuelle Subjektförderung richtig und auch zeitgemäß. Wir könnten uns vorstellen, dass das Land zusätzlich einen Zinszuschuss leistet, der rückzahlbar ist. Dieser soll sich am Einkommen der jeweiligen Förderungswerber orientieren und wäre dann beispielsweise ab dem zehnten oder zwölften Jahr nach Start des Kredites zurückzuzahlen. Die Förderkomponente bestünde darin, dass der Zuschuss zinsfrei wäre. Das wäre unser Vorschlag, wobei ich niemandem vorgreifen möchte, da ja mehrere Institutionen in diesen Prozess eingebunden werden. 


Interview: Christian Granbacher


 

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