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Wirtschaft 30/04/2021
Grödig zeigt es vor: Leistbares Wohnen wird möglich

Günstiger bauen. Die Gemeinde Grödig zeigt vor, wie Wohnraum günstiger beschafft werden kann. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen hier zumindest teilweise auf ein Ende der Preisspirale hin nach oben hoffen.


Die Preise pro neuem Wohnquadratmeter in der Flachgauer Gemeinde Grödig betragen teilweise schon knapp 7.000 Euro. Sprich, wer ein Haus oder eine Wohnung mit 100 Quadratmetern Wohnfläche kaufen will, muss dafür 700.000 Euro hinblättern. Oder für jene, die sich noch an die österreichische Währung vor dem Euro erinnern können: Fast zehn Millionen Schilling muss eine Familie heute investieren, will sie ein durchschnittlich großes Haus kaufen. In der Stadt Salzburg werden durchaus schon 10.000 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Also eine Million Euro für eine 100 Quadratmeter große Wohnung.


Egal ob Schilling oder Euro, die Preise am Wohnungsmarkt explodieren. Schon seit Jahren gibt es stetige und hohe Preissteigerungen, mit welchen die Durchschnittsbürger nicht mehr Schritt halten können. Von der Politik gibt es zu dieser Entwicklung bisher Schulterzucken oder Maßnahmen, die zu wenig greifen. Als Beispiel sei nur der Umgang mit teuren Zweitwohnsitzen genannt, gegen die niemand ernsthaft vorgeht. Grödigs Bürgermeister Herbert Schober (Liste ÖVP und Parteifreie), der schon unter seinem Vorgänger Richard Hemetsberger als versierter Finanzexperte für die Gemeinde tätig war und für seine Umsicht respektiert wurde, hat genug von den jahrelangen Sonntagsreden. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und trauen uns auch etwas zu“, so Schober im Telefonat mit ECHO. Ihm ist es wichtig, junge Grödiger Familien im Ort zu halten, was nur durch leistbares Wohnen möglich ist. 


 DIE RECHNUNG GEHT AUF

Wie aber will die Gemeinde Grödig es schaffen, den Kampf gegen Windmühlen, oder besser den Kampf gegen die Preisspirale hin nach oben zu gewinnen?

„Wenn ein Bauträger nachverdichten und neuen Wohnraum beispielsweise auf einem schon vorhandenen Gebäude errichten will, muss er der Gemeinde Grödig 50 Prozent der Wohnflächen um höchstens 3000 Euro pro Quadratmeter zukommen lassen“, sagt Herbert Schober. Unmöglich habe es am Anfang geheißen. Dann kam aber doch die Zusage durch einen Bauträger. Der Grödiger Bürgermeister liefert ein konkretes Beispiel: Zuerst muss erwähnt werden, dass der Preis für ein Grundstück bei einer Nachverdichtung natürlich vollkommen wegfällt. Werden nun 300 Quadratmeter neuer Wohnraum geschaffen, so kann der Bauträger 150 davon auf dem freien Markt veräußern, 150 muss er der Gemeinde um 3000 Euro pro Quadratmeter zusagen. Dieser Betrag ist nicht verhandelbar. Verkauft nun ein Bauträger die 150 Quadratmeter-Wohnung um 6.000 Euro pro Quadratmeter, macht er (bei Baukosten von 3000 Euro pro Quadratmeter) einen Gewinn von 450.000 Euro. Selbst wenn der Bauträger 50.000 Euro für jene Wohnung draufzahlen muss, welche die Gemeinde günstig weitergeben will, bleiben ihm immer noch satte 400.000 Euro Gewinn.


„Wenn ein Bauträger nachverdichten will, muss er der Gemeinde Grödig 50 Prozent der Wohnflächen um höchstens 3000 Euro pro Quadratmeter zukommen lassen.“ Herbert Schober, Bürgermeister Grödig


DIE GEMEINDE ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG

In Form eines Baulandsicherungsmodelles sollen in Grödig auf einem 7000 Quadratmeter großen Grundstück 22 neue Wohneinheiten entstehen. Es handelt sich um drei einzelne Häuser sowie mehrere Doppel- und Reihenhäuser. Eine Einheit kommt mit 250 bis 340 Quadratmetern aus. Geplant sind Wohneinheiten mit 129 Quadratmetern oder mit 148 Quadratmetern. Manche mit und manche ohne Keller. Wichtig ist, dass auch das Dachgeschoss ausgebaut und genutzt wird. „Unsere durchschnittlichen Preise bewegen sich zwischen 3200 Euro pro Quadratmeter und knapp 4000 Euro“, erklärt Bürgermeister Schober. Gemeint sind wohlgemerkt Bruttokosten. Das heißt alle Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Kaufvertragserstellung und so weiter sind bereits inkludiert.

Wichtig ist, dass die Gemeinde selbst von der Entwicklung bis hin zur Ausschreibung alles organisiert. Den Grund kaufen die Privaten direkt von der Landinvest und sie treten dann als Bauherr auf, sobald die Gemeinde die Preise mit den Baufirmen bereits fertig ausverhandelt hat. Ungeplante Preissteigerungen sind aufgrund der fixen Zusagen dann nicht mehr möglich.


LANDESPOLITIK GIBT POSITIVE SIGNALE

Lob dazu kommt von Raumordnungs-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) der das Projekt als: „pilothaft und vorbildlich“ bezeichnet. Es könne von anderen Gemeinden kopiert werden. „Hier kriegen die Leute, was sie wollen. Mehr Grund brauchen sie meist eh nicht. Wir versuchen das Modell zu übertragen. Ich bin überzeugt, dass uns das weiterbringt. Wir brauchen Gemeinden wie Grödig, die das ordentlich in die Hand nehmen“, so Schwaiger.

Positive Signale dazu kommen auch von der Wohnbau-Landesrätin Andrea Klambauer von den NEOS: „Das Projekt freut mich sehr.“ Es gehe extrem sparsam mit Grund um. Ende April soll es eine Gesprächsrunde mit den Wohnbausprechern der Regierungsparteien geben.


„Wir brauchen Gemeinden wie Grödig, die das ordentlich in die Hand nehmen.“ Josef Schwaiger, Raumordnungslandesrat in Salzburg


Bürgermeister Schober und die Gemeinde Grödig haben schon länger den nächsten Schritt vorbereitet. Noch in der ersten Jahreshälfte 2021 soll eine eigene Wohnbau GesmbH gegründet werden. Die Gesellschaft wird dann auch Bauträger sein. „Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften stehen, sondern wir wollen eine kostengünstige Ergänzung bieten“, erklärt Bürgermeister Herbert Schober.

Sollten die Vorgehensweise der Gemeinde Grödig Schule machen und viele andere Bürgermeister entschließen sich dazu, denselben Weg einzuschlagen, könnten zukünftig wohl zahlreiche Wohnungen und Häuser zu halbwegs leistbaren Preisen auf den Markt kommen. Überteuerte Wohnungen würden so weniger attraktiv werden.


Christian Granbacher


 

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