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Wirtschaft 14/06/2021
Hundebisse in den Griff bekommen

Prävention wäre notwendig. 3.900 Menschen pro Jahr suchen in Österreich ein Krankenhaus auf, weil sie von einem Hund gebissen wurden. Eine Maulkorbpflicht gibt es trotzdem nicht.


Es gibt diese kontrovers diskutierten Themen, bei denen niemand eine zweite Meinung haben darf. Raucher gegen Nichtraucher zum Beispiel oder dann, wenn Abtreibungsgegner auf die Pro-Choice-Bewegung treffen. Bei diesen Auseinandersetzungen dominieren oft Emotionen. Sachliche Argumente rücken in den Hintergrund und es gibt großen Streit.


Mit diesem Artikel begeben wir uns wahrscheinlich auf ein ähnlich gefährliches Terrain. Es geht nämlich um Hunde, die besten Freunde des Menschen. Diese superlative Periphrase – der beste Freund des Menschen – ist Ausdruck dafür, dass viele Haushunde tatsächlich als echte Freunde wahrgenommen werden. Das Verhältnis zu ihnen ist wirklich ein ganz besonderes. Umschreibungen für diesen Ausdruck finden sich in vielen Sprachen. Ganz klar: Ein Hund kann für Familien, aber besonders auch für alleinstehende Personen zu einem wichtigen sozialen Gegenüber werden. Bei der Hundetherapie leisten die Vierbeiner gute Dienste und werden gegen Depressionen oder Demenzerkrankungen herangezogen. Blindenhunde und Rettungshunde, die Menschen begraben unter Lawinen aufspüren, leisten wichtige Arbeit. 


Kurzum: Tausende und abertausende Hunde bereiten den Menschen täglich Freude, bringen sie zum Lachen oder sind eben wirklich ein wahrer Freund. Auch Jäger werden dies mit einem deutlichen Ja beantworten. Aber es gibt eben auch Gefahren für die Menschen, die von Hunden ausgehen können.


HOHE ZAHL AN HUNDEBISSEN

Dann nämlich, wenn Hunde zubeißen – egal ob deshalb, weil sie erschrocken sind, sie ihr Futter verteidigen wollen oder sie einfach aggressiv sind – haben die Menschen mittelgroße bis sehr große Probleme. Von leichten bis hin zu schweren Verletzungen und in den schlimmsten Fällen sogar zum Tod können Hundeattacken für den Menschen führen. Wie gesagt, die Zahl jener Hunde, die den Menschen guttun, ihnen Freude spenden, ist enorm hoch. Sie ist mit Sicherheit viel höher als die Zahl jener Hunde, die für Verletzungen verantwortlich sind. Und trotzdem zeigen die nackten Zahlen, dass Hundebisse ein Problem darstellen, das häufig auftritt.


Allein in Österreich gibt es pro Jahr 3.900 Verletzte (!) durch Hundebisse, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in einer Presseaussendung berichtet. Das heißt, täglich suchen durchschnittlich mehr als zehn Personen ein Krankenhaus auf, weil sie von einem Hund gebissen wurden. 


600 bis 800 der Betroffenen sind Kinder. Gerade aber für diese jungen Patienten sind die Unfälle mit Hunden besonders gefährlich. Auswertungen der KFV Unfalldatenbank zeigen, dass bei schweren Unfällen von Kindern oft der Kopf betroffen ist. Die Wunden müssen meist operativ versorgt werden.


MEHR HUNDEBISSE FÜR 2021 ERWARTET

Corona hat das Interesse an Haustieren ansteigen lassen. Auch Hunde sind stärker nachgefragt. Aufgrund des Lockdown und geschlossener Hundeschulen fehlt es den Tieren aber vielfach an Sozialkontakten und einer entsprechenden Ausbildung. Unfälle mit Hunden könnten dadurch zunehmen, warnen Experten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. 


Die Lockdowns, das damit verbundene Mehr an Zeit daheim (Homeoffice, Kurzarbeit) und das Weniger an sozialen Kontakten haben allgemein den Wunsch und das Interesse an Haustieren wachsen lassen. Mit vielschichtigen Folgen. „So fehlte und fehlt unter anderem die Möglichkeit einer allgemeinen Ausbildung, denn die Hundeschulen hatten corona-bedingt seit Monaten nicht geöffnet“, so KFV-Präventionsexpertin Dr. Johanna Trauner-Karner. Den Hunden fehlen damit wichtige Sozialkontakte zu anderen Tieren. Gerade im Welpen- und Junghundealter ist der Kontakt zu Artgenossen für die Entwicklung von ausschlaggebender Bedeutung. Erste einschlägige Zahlen aus den Krankenhäusern zeigen tatsächlich einen leichten Anstieg an Hundebissen im Jahr 2020: „Wir sehen in unserer Unfalldatenbank derzeit eine Zunahme an Hundebissen im letzten Jahr bei Kindern“, so das KFV.


„So fehlte und fehlt unter anderem die Möglichkeit einer allgemeinen Ausbildung, denn die Hundeschulen hatten corona- bedingt seit Monaten nicht geöffnet.“ Dr. Johanna Trauner-Karner, KFV-Präventionsexpertin


Ähnlich signifikante Steigerungsraten werden auch aus den USA gemeldet. Zwar würden Hundebisse in den Frühlings- und Sommermonaten tendenziell zunehmen, im Frühjahr 2020 kamen laut Medienberichten im Vergleich zu 2019 allerdings fast drei Mal so viele Kinder aufgrund von Hundebissen zum Beispiel in die Notaufnahme des Children’s Hospital Colorado. In dieser Zeit verbrachten Familien und Kinder mehr Zeit zu Hause – teilweise in beengten Verhältnissen. „Die Warnsignale, die Hunde schon früh aussenden, können von Kindern und eventuell auch von neuen Hundehaltern noch nicht richtig erkannt und interpretiert werden. Gerade hier zeigt sich sicherlich das Defizit durch die corona-bedingt geschlossenen Hundeschulen“, so das KFV.


Besonders auffällig: Wie eine Erhebung des Vereins Große schützen Kleine zeigt, beißt häufig nicht der eigene Hund. Fast jeder zweite Biss wird durch einen „bekannten“ Hund, also zumeist durch den Hund von Großeltern, Onkeln und Tanten oder Nachbarn, verursacht. „Aber egal, in welchem Naheverhältnis Mensch und Tier stehen, der intensive Kontakt durch die ungewohnte zeitliche und räumliche Dichte während des Lockdown hat auch bei vielen Hunden Stresssymptome zur Folge. Das Wissen um den richtigen Umgang mit den Tieren ist unerlässlich. Besonders wichtig ist, Kinder und Hunde nie unbeaufsichtigt allein zu lassen“, sagen die Experten des KFV.


MAULKORBPFLICHT WÄRE LÖSUNG

Um sich die Frage nach der Schuld generell ersparen zu können, gäbe es ein probates Mittel, eine Maulkorbpflicht für alle Hunde. Der plastische Chirurg Dr. Heinrich Schubert berichtete auf Ö3 davon, dass allein ins Uni-Klinikum in Salzburg etwa „zwei bis drei Personen pro Woche kommen, die von ernsteren Hundebissen betroffen sind“. Für ihn gibt es nur eine Lösung: „Ich würde mir eine uneingeschränkte Beißkorbpflicht für alle Hunde wünschen. Weil einfach jeder Hund unberechenbar bleibt, auch wenn er noch so gutmütig ist.“


„Ich würde mir eine uneingeschränkte Beißkorbpflicht für alle Hunde wünschen. Weil einfach jeder Hund unberechenbar bleibt, auch wenn er noch so gutmütig ist.“ Dr. Heinrich Schubert, plastischer Chirurg in Salzburg


Die Erfahrungen des Arztes spielen bei solchen Aussagen natürlich eine große Rolle. Viele Familien und Kinder seien ein Leben lang damit konfrontiert, dass ein Hund einfach nicht unter Kontrolle war, sagt der Mediziner: „Da reichen fünf Minuten – und ein Leben ist geprägt von Leid und Entstellung.“ 



Christian Granbacher


 

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