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Wirtschaft 27/09/2022
Frauen, die bewegen

Frauen und Männer sind unterschiedlich, sollten dennoch auf exakt gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren und arbeiten können. ECHO sprach mit acht erfolgreichen Menschen, die durch ihre Berufung viel Bewegung reinbringen.


Anastassia Lauterbach ist äußerst wettbewerbsorientiert, spricht sechs Sprachen, ist eine sehr erfolgreiche Unternehmerin, Mentorin für global agierende CEOs und Expertin für Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz (KI). Lauterbachs Eltern arbeiteten in Russland als Lehrer. Mit 20 Jahren kam sie nach Deutschland mit einem bereits abgeschlossenen Studium an der Moskauer Lomonosov Universität, weil sie in Russland keine Perspektiven für sich sah. Sie studierte Computer-Linguistik, Slawistik und Klinische Psychologie auch in Deutschland und promovierte 1997 an der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn. Sie saß bereits in zahlreichen Aufsichtsräten von amerikanischen und europäischen Big Playern und war unter ihren Kolleginnen und Kollegen als „harter Hund“ bekannt. Neben beispielsweise easyjet PLC und Dun & Bradstreet war sie von Mitte 2018 bis August 2020 im Aufsichtsrat von Wirecard vertreten, blieb dort bis zum Schluss auf dem „sinkenden Schiff“ und wird nicht zuletzt deshalb heute gerne als Krisenmanagerin nachgefragt.


„Ich bin Autodidakt“, sagt Anastassia Lauterbach im Gespräch mit ECHO. Seit einem Jahr lebt sie im Salzburger Flachgau, ist von den Bergen und Seen begeistert und besuchte mit ihrem Mann 14 Aufführungen der Salzburger Festspiele.


Um nur eine ihrer zahlreichen Karrierestationen hervorzuheben: Bei der deutschen Telekom war sie Chefin für Technologie und Innovation. „Ich habe meine Arbeit immer als Privileg empfunden und konnte damals in meiner Funktion für Europa das erste iPhone direkt mit Steve Jobs verhandeln“, erzählt Lauterbach.

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NETZWERK FÜR AUFSICHTSRÄTINNEN

Wer mehr über den beruflichen Werdegang und die Karriere von Anastassia Lauterbach erfahren will, muss aus Platzgründen auf Google weitersuchen. Zahlreiche Auftritte und Interviews in namhaften Medien geben einen Einblick. Am Tag vor dem Gespräch mit ECHO hat sie alle Beiträge zum Deutschen KI-Preis durchgearbeitet und ihre Stimme abgegeben. Der Award wird seit 2019 jährlich von der Medienmarke WELT (Axel Springer SE) verliehen und würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Dotiert ist der Preis mit 100.000 Euro und wird am 29. September in Berlin vergeben.



DIE PRÄSIDENTIN DER FESTSPIELE

Anfang Januar dieses Jahres übernahm Kristina Hammer als Präsidentin die Leitung der Salzburger Festspiele, nachdem sie im November 2021 vom Kuratorium einstimmig für diese Position ausgewählt wurde. Ihre hohe Expertise – Kristina Hammer gehörte zum Vorstand der Freunde des Opernhauses Zürich – und internationale Vernetzung sowie ihr langjähriger Bezug zu Salzburg waren für ihre Bestellung ausschlaggebend. „Neben den klassischen Ressorts wie Marketing, Vertrieb, Presse und Sponsoring, die ich als Präsidentin der Salzburger Festspiele innehabe, sehe ich mich auch in der Rolle der ‚Ermöglicherin‘. Daher gehört es zu meinen Zielen, alle, die zum Gelingen der Festspiele beitragen, zu befeuern und die Rahmenbedingungen zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele zu schaffen“, erklärt Kristina Hammer. 


Gemeinsam mit dem Intendanten Markus Hinterhäuser und dem kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz will sie sicherstellen, für das Publikum das Beste aus Oper, Konzert und Schauspiel anzubieten. Die begeisterten Publikumsreaktionen dieses Festspielsommers und eine hervorragende Auslastung von 96 Prozent sprechen für sich. „Das Gesamterlebnis der Festspielbesucher stetig zu verbessern und dabei verantwortungsvoll und nachhaltig mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen, das ist uns und mir Anspruch und Verpflichtung“, so Hammer. Der Festspiel-Vertrag der Topmanagerin mit deutscher und Schweizer Staatsbürgerschaft läuft bis zum 31. Dezember 2026. 


MEHR DIGITALISIERUNG FÜR DIE FESTSPIELE

Die mit einem Österreicher verheiratete Mutter von zwei Kindern freut sich, dass im Sponsoring dieses Jahr mehrere wichtige Verträge verlängert werden konnten. Etwa Ende August die bewährte Partnerschaft mit Audi als einem der Hauptsponsoren um weitere fünf Jahre. Mit der Würth Gruppe konnte ein renommierter Projektpartner für das Jugendprogramm gewonnen werden. „Im Marketing haben wir als Vorbereitung auf die Vorstellungen dem Publikum Zugang zu vertiefenden Texten, Videos und Podcasts der Künstler ermöglicht“, sagt Hammer, die unter dem Stichwort Digitalisierung einen neuen Kommunikationsprozess einleiten möchte. „Wie und über welche Kanäle soll unser Publikum in Zukunft angesprochen werden? Wie bleiben wir ihnen das gesamte Jahr über im Gedächtnis? Für mich ist es unabdingbar, dass wir Gästen aller Besuchergruppen einen auf sie zugeschnittenen Zugang zu unserem Angebot präsentieren.“


JUNGE MENSCHEN BEGEISTERN

Kristina Hammer liegt die Jugend besonders am Herzen. Deshalb gehe es für die Zukunft vermehrt darum, junge Menschen für die Salzburger Festspiele zu begeistern. Im Kinder- und Jugendprogramm „jung & jede*r“ wurden heuer mit insgesamt 54 Vorstellungen und zwei Jugendproduktionen, mit denen die Festspiele in Schulen und Kulturzentren in der Stadt und im Land Salzburg präsent waren, sowie der beliebten Kinderoper und den Operncamps ein besonders breites Angebot präsentiert. 


„Daneben gab es heuer erstmals Festspielpatenschaften. Dabei haben erfahrene Besucherinnen und -besucher ihre Begeisterung für die Festspiele mit jungen Menschen geteilt. Es gab 45 Paare, die gemeinsam Vorstellungen besucht haben. Mir selbst war es ebenfalls eine große Freude, Patin zu sein und gemeinsam mit der Leiterin des Jugendprogramms, Ursula Gessat, die Patenpaare in die Festspielwelt einzuführen“, sagt Hammer. 


SALZBURGS ORF LANDESDIREKTORIN

Mit Jahresbeginn löste Waltraud Langer, die neue ORF Landesdirektorin in Salzburg, ihren Vorgänger Christoph Takacs ab. Zuvor war die aus Mittersill im Pinzgau stammende Journalistin in Wien als ORF-Hauptabteilungsleiterin tätig. „Mein Ziel als Landesdirektorin ist es, spürbar für alle in Salzburg da zu sein. Darum machen wir eine journalistische Bezirkstour durch alle Bezirke, darum führe ich in allen Bezirken Publikumsgespräche. Ich will auch Qualität fördern, Salzburger Schätze sichtbar machen. Egal ob es spannende Unternehmen sind oder etwa die Architektur von Gustav Peichl, der unser Landesstudio vor 50 Jahren gebaut hat, oder es um Ernährung geht, wie bei unserem Erdäpfelprojekt im Fernsehgarten“, sagt Langer zu Ausrichtung des Senders. Auf die Frage, inwiefern guter Journalismus die Gesellschaft positiv verändern könnte, antwortet sie: „Journalismus ist nicht dazu da, die Gesellschaft zu verändern. Aber Journalismus hat die sehr wichtige Aufgabe, unsere Gegenwart verständlich zu machen.“ Es gehe darum, seriös über das zu berichten, was sich in der Gesellschaft abspielt. Und das dann zu erklären, einzuordnen und die Zusammenhänge herzustellen.


SPANNEND UND INFORMATIV

Wenn etwas Wichtiges passiert, dann könne das lokal ein Hochwasser sein, national eine Wahl oder international ein Großereignis, wie der Tod der Queen oder der Krieg in der Ukraine. Dann sei guter und unabhängiger Journalismus gefragt. „Statt aus dem Bauch heraus eine Meinung zu äußern, wie wir es oft auf Social Media erleben, geht es darum, die Fakten geliefert zu bekommen“, sagt Waltraud Langer. Dafür brauche es natürlich auch die entsprechende Infrastruktur, um in der Lage zu sein, entsprechend schnell zu reagieren, egal ob für Radio, Fernsehen oder online. „Unsere Rolle in Salzburg ist es, spannend und informativ über all das zu berichten, was Salzburg ausmacht, was hier passiert. Von der Volksmusik bis zur Hochkultur, vom chronikalen Ereignis bis zum regionalen politischen Aufreger. Und das alles einerseits für Salzburg, andererseits aber sehr oft auch als Teil des nationalen ORF-Angebots“, erklärt die Salzburger ORF Landesdirektorin.


Waltraud Langer – seit 1988 beim ORF

Waltraud Langer maturierte in Salzburg und schloss ihr Studium an der Wiener Universität in Volkswirtschaft mit dem Magister ab. Seit 1988 ist sie für den ORF tätig. Beim Radio im ORF-Funkhaus Wien arbeitete die Pinzgauerin in der Innenpolitik- und der Wirtschaftsredaktion. Von 1992 bis 1994 – während der EU-Beitrittsverhandlungen – berichtete sie als ORF-Auslandskorrespondentin aus Brüssel. Nach ihrer Rückkehr nach Wien gestaltete sie als Mitglied der Wirtschaftsredaktion ihre TV-Beiträge für die „ZIB“ und das Wirtschaftsmagazin „Euro Austria“.



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„Wenn sich Regierungen verschließen, braucht es eine Bottom-up-Bewegung“


Anastassia Lauterbach. Über die Bedeutung von KI für den Fortschritt und warum es vor allem in Europa wieder mehr Mut zu Entscheidungen braucht.


ECHO: Künstliche Intelligenz (KI) bringt revolutionäre Möglichkeiten mit sich. Welche Gefahren aber gibt es?

Anastassia Lauterbach: KI kann einen enormen Beitrag zur Rettung des Klimas leisten. Auch in der Medizin wird sie weiter enorme Fortschritte ermöglichen. Technologien kann man immer auf zwei Weisen nutzen. Natürlich gibt es auch Killer-Roboter oder Drohnen, die ja heute schon in Kriegen eingesetzt werden. KI bedeutet jedenfalls eine verbesserte Wissenschaft und dem gegenüber muss man offen sein. Wenn sich die Regierungen dem verschließen, braucht es eine Bottom-up-Bewegung. Dass eben beispielsweise Gemeinden oder Unternehmen initiativ werden und so für mehr Arbeitsplätze und eine florierende Wirtschaft sorgen. KI wird eine entscheidende Rolle für wirtschaftliches Wachstum spielen.  


ECHO: Was machen Sie beruflich momentan hauptsächlich? 

Lauterbach: Früher habe ich Unternehmen dabei geholfen, Probleme zu beheben, indem ich Technologien für sie gefunden habe, um die Situation auf der Kosten- oder Umsatzseite zu verbessern. Dann wurde ich von Ron Sugar (Vorsitzender Uber) gefragt, ob ich Mentorin für ExCo Leadership and Performance sein möchte. Ich unterstütze dabei vorwiegend Leute aus dem Management hin zu ihrer Entwicklung als CEO. Dabei arbeite ich für Unternehmen wie Pfizer oder Heineken.


ECHO: Wie viel Ethik gibt es in der Wirtschaft noch?

Lauterbach: Darüber mache ich mir viele Gedanken. Es gibt immer Ausnahmen, aber die allermeisten Leute wollen etwas Vernünftiges erreichen und stolz darauf sein. Es gibt weniger Gründer als früher, die ein Unternehmen führen. Meist werden Manager eingesetzt, die einen guten Jahresverdienst haben und ihre Position möglichst lange halten möchten. Das bedeutet, sie bleiben häufig beim Status quo und treffen wenig riskante Entscheidungen. Die Welt aber bewegt sich schnell weiter. Es gibt massive Veränderungen in der Technologie. Die Manager verstehen auf intellektueller Ebene, dass sie etwas unternehmen müssen, aber dazu müssten sie auch tatsächlich handeln. Um den Aktienkurs nicht zu gefährden, werden keine mutigen Handlungen vollzogen. Oft fehlt der Mut zur Lücke und es soll erlaubt sein, Fehler zu machen. Und man braucht visionäre CEOs, die verstärkt mit Universitäten zusammenarbeiten. Es ist übrigens beschämend, was Universitätsprofessoren für ihre Leistungen verdienen. In Europa brauchen wir jedenfalls mehr Mut und mehr Selbstbewusstsein. Es muss uns klar werden, dass es heutzutage keine einfachen Lösungen mehr gibt.


Interview: Christian Granbacher


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PEOPLE, PLANET & PROFIT

Isabella Klien ist holistische Organisationsberaterin und auf das Thema „Ethisch führen mit Erfolg“ spezialisiert. „Mein Lebensweg war schon immer gekennzeichnet vom Verbinden und Brückenbauen. Beides sind Qualitäten, die in unserer komplexen und herausfordernden Zeit eine zentrale Rolle spielen“, sagt Klien. Sie will einen Beitrag zu einer neuen Form der Wirtschaft leisten, die den Geist von Kooperation und Partizipation in sich trägt und folgende drei Ps gleichwertig betrachtet: „people, planet and profit“.


In den 1980er Jahren studierte Klien Handelswissenschaften und promovierte an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Heute begleitet sie Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Berater und Führungskräfte. „Mein Büro liegt am Thalgauberg. Der ‚-berg‘ ist mir wichtig, denn ich mag es sehr, mit Weitblick zu arbeiten“, so die Organisationsberaterin.


NEU AUSRICHTEN

Die Pandemie habe die Nachfrage nach ihrer ganzheitlichen Organisationsberatung erhöht. Interessant fand sie vor allem, dass ihre Kundinnen und Kunden sagten: „Wir nützen die Zeit der Pandemie und richten uns nachhaltig aus für die Zeit danach. Wir sollten mit mehr Sinn und Werten unterwegs sein!“


Isabella Klien hält fest, dass sich die Unternehmen aufgrund der großen Knappheit an Arbeitskräften zu attraktiven Arbeitgebern entwickeln müssen. „Dabei spielen Themen wie Purpose, neue Eigentumsmodelle oder Mitgestaltung eine zentrale Rolle – alles Dinge, die ich bei meiner holistischen Prozessbegleitung berücksichtige“, sagt Klien. Von ECHO auf die zahlreichen Betrugsskandale der jüngeren Vergangenheit in Politik und Wirtschaft angesprochen, entgegnet sie: „Es gibt so viele positive Beispiele von Menschen und Unternehmen, die nicht korrupt sind, sondern verantwortungsvoll wirtschaften. Sie haben nicht nur ihr eigenes Wohl, sondern das Wohl aller im Blick. Auf diese konzentriere ich mich, und ich biete ihnen mit der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ein bewährtes Modell an, das sinn- und werteorientiert ist und das gute Leben für alle als oberstes Ziel hat. Die Gemeinwohl-Matrix, das Herzstück der GWÖ, verbindet ökologische und soziale Nachhaltigkeit mit der ökonomischen Gesundheit eines Unternehmens. So bringt sie Ethik und wirtschaftlichen Erfolg in Einklang.“


ZUM WOHLE ALLER WIRTSCHAFTEN

Isabella Klien startete im Mai einen neuen Durchgang eines Führungskräfte-Entwicklungsprogramms für ein Telekommunikations-Unternehmen. Klien freute sich über die Aussage ihrer Auftraggeberin, die meinte: „Du bist so anders als klassische Consultants. In Zeiten wie diesen brauchen wir genau dich mit deiner Haltung und deinem Handwerkszeug.“


Wie groß die Bereitschaft von Unternehmerinnen und Unternehmern im Bundesland Salzburg sei, dem Gemeinwohl zu dienen und zum Wohle aller zu wirtschaften, fragte ECHO bei Isabella Klien nach: „Die Tendenz ist steigend, und es ist eine schöne Bestätigung meiner Arbeit, wenn Unternehmen wie das Hotel Auersperg in der Stadt Salzburg oder das Stiegl-Gut Wildshut sich von mir begleiten lassen und die Gemeinwohl-Bilanz erstellen.“


AUSZEICHNUNGEN FÜR BRIGITTE MARIA GRUBER

Seit über 20 Jahren unterstützt Brigitte Maria Gruber Frauen dabei, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Vor 18 Jahren gründete sie dazu die Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee. Im Management-Lehrgang und in Mentoring-Programmen, aber auch in firmeninternen Angeboten stärkt sie seither ganz speziell weibliches Potenzial. „Frauen müssen es sich zutrauen, in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen aktiv mitzugestalten“, bringt Brigitte Maria Gruber eine ihrer wichtigsten Botschaften auf den Punkt. Mit ihrer Unternehmensberatung mensch.im.fokus bietet sie zudem werteorientierte Persönlichkeitsbildung für Führungskräfte.


Ihr langjähriges, unermüdliches Engagements zur Stärkung und Vernetzung von Frauen wurde im Vorjahr mit gleich zwei bedeutenden Auszeichnungen gewürdigt, dem FRAUENFÖRDERPREIS des Landes Oberösterreich (Kategorie: Lebenswerk) und der MINERVA (Kategorie SHECommunity), einem österreichweiten Award des Wirtschaftsmagazins SHEconomy.



„Gut geerdet, aber auch himmlisch beflügelt“


Brigitte Maria Gruber. Die Gründerin und Leiterin der Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee plädiert für ein Überwinden von tradierten Rollen und ortet Chancen dank 21st Century Skills.


ECHO: Gratulation zum FRAUENFÖRDERPREIS und zur MINERVA. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen? 

Brigitte Maria Gruber: Mit dem FRAUENFÖRDERPREIS des Landes Oberösterreich für ein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden, ist schon eine erhebende Sache. Und auch eine MINERVA von Wien ins Mondseeland zu holen, war grandios. Darüber freue ich mich, bin dankbar und fühle mich damit gut geerdet, aber auch himmlisch beflügelt. Beide Auszeichnungen sind eine Würdigung meiner Arbeit für und mit Frauen, die ich seit über 20 Jahren mit Herzblut mache. Aber auch ein respektvolles Dankeschön, denn beide Preise nehme ich stellvertretend für viele andere Frauen entgegen, die tagtäglich Großes leisten und die nicht vor den Vorhang geholt werden. 


ECHO: Sie betonen stets die Wichtigkeit von guten Netzwerken. Wie entscheidend ist dabei die persönliche Beziehung?

Gruber: Das Schönste ist, wenn man eine berufliche Beziehung noch über eine gute persönliche Beziehung verstärken kann. Ich bin überzeugt, dass es in der Zeit, in der wir uns befinden, nur mit einem guten Miteinander funktionieren kann. Genau das lebt man idealerweise in Netzwerken. Dieses Miteinander muss zu einem ganz starken Promoter werden, wir dürfen uns jetzt nicht auseinanderdividieren lassen. Nicht in der Wirtschaft und schon gar nicht in der Gesellschaft.


ECHO: Für welche Veränderungen treten Sie besonders ein?

Gruber: Ganz oben auf meiner persönlichen Watch-List steht „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Immer wieder nehme ich wahr, dass es 2022 für die gleiche Arbeit nicht das gleiche Salär gibt. Der Gender Pay Gap war auch im Vorjahr wieder hoch. 2021 haben Frauen in Österreich ca. 19 Prozent weniger verdient als Männer. Da läuft etwas falsch, diese Ungleichheit setzt sich bei den Frauen sogar bis ins Pensionsalter fort. Als Zweites setze ich mich für mehr weibliche Role-Models ein, denn wir lernen alle vom Vorbild. Erstaunlich ist, dass mehr Frauen akademische Abschlüsse machen als Männer. In den Führungsetagen findet das aber noch keine Entsprechung. Diese sind nach wie vor sehr männlich besetzt. Wo kommen also die Akademikerinnen hin? Mehr Vorständinnen, Chefinnen, Abteilungsleiterinnen usw. braucht das Land. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass Frauen oftmals dann zum Zug kommen, wenn – um es salopp zu sagen – grad keinen Blumentopf zu gewinnen ist, sprich wenn es kriselt. Das sehen wir in Großbritannien jetzt mit Liz Truss als Premierministerin. Oder auch in Österreich, wo mit Brigitte Bierlein erstmals eine Frau in einer Übergangszeit die Regierung leitete, übrigens sehr erfolgreich. 


ECHO: In den aktuell schwierigen Zeiten wird man also vermehrt Frauen in Führungspositionen holen?

Gruber: Das wäre wünschenswert. Doch so einfach ist die Karriereleiter in die Chefetage nicht, denn Männer wollen ihre Pfründe – sprich Macht und Geld – noch halten. Hier hoffe ich auf ein Umdenken durch visionäre Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden wertschätzend führen und fördern. Oder Jungeltern, wo beide Elternteile sich der Kindererziehung widmen wollen und auch im Job gleich erfolgreich sein wollen. Job-Sharing, auch in der Führung, könnte eine gute Chance für Frauen sein, einen Fuß in die Führungsetage zu setzen.


ECHO: Wenn die Jüngeren es so sehen, müsste es ja bald positive Veränderungen geben.

Gruber: Es beginnt in unseren Köpfen, Vorbilder beschleunigen den Wandel und Veränderung braucht Mut. Diese tradierten Rollen haben über Jahrhunderte, um nicht zu sagen Jahrtausende, die Geschichte geprägt. Dass der Mann der Starke ist und die Frau die ihm zur Seite Gegebene. Aber jetzt sind 21st Century Skills gefragt, das sind die vier Ks: Kooperation, Kommunikation, kritisches Denken und Kreativität, alles weibliche Eigenschaften. Das sehe ich zukünftig gute Chancen für weibliches Potenzial in der Führung. 


ECHO: Befinden wir uns aktuell an einem Knackpunkt?

Gruber: Die Zeit ändert sich und wir ändern uns in ihr. Ein echter Knackpunkt wäre, wenn die Katholische Kirche Frauen endlich eine gleichberechtigte Stellung in der Ausübung des Amts einräumen würde. (lacht) Das hätte eine große Außenwirkung, das wäre wirklich revolutionär! Alles andere braucht Zeit, den Willen zum Wandel und kreative Köpfe, Männer UND Frauen.


Interview: Christian Granbacher


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NEUE HOGAST-VORSTÄNDIN 

Allegra Frommer ist seit gut einem halben Jahr als neue Vorstandsvorsitzende der HOGAST, der größten österreichischen Einkaufsgenossenschaft für Hotels und Gastronomiebetriebe, tätig. Viel Managementerfahrung sammelte sie schon zuvor, als sie von Februar 2014 weg Geschäftsführerin des Salzburger Verkehrsverbunds gewesen war. 


Ihre Stärken liegen vor allem darin, Strukturen aufzubauen und Prozesse zu modernisieren und zu optimieren. „Ich komme aus einem Familienunternehmen, da gab es permanent etwas zu verändern oder umzubauen“, erzählt Frommer im Gespräch. In den zwei Weingütern ihrer Familie konnte sie jede Menge Erfahrungen sammeln, was ihr im Laufe ihrer Karriere immer zugute kam. „Die Leidenschaft für gutes Essen und Trinken ist auch der Konnex zur HOGAST. Diese Aufgabe hier gefällt mir wirklich sehr gut, denn ich wollte immer schon gerne im gastronomischen Umfeld und im Bereich Food & Beverage arbeiten“, so Frommer. 


Gerade jetzt in Zeiten der hohen Inflation und Preissteigerungen ist Einkauf ein zentrales Thema. Die HOGAST-Mitgliederbetriebe müssen nicht alleine verhandeln. Mit einer so großen Community im Hintergrund kann man Verhandlungen viel selbstbewusster führen. Die Einkaufsgenossenschaft jedenfalls erlebt aktuell einen großen Zulauf. 


NOCH MEHR DYNAMIK

Während die Aufgabe, neue Mitarbeiter und Personal zu finden, die HOGAST, wie so viele andere Unternehmen, vor große Herausforderungen stellt, blickt man, was die Buchungslage im Tourismus betrifft, auf einen erfolgreichen Sommer zurück. Auch der Städtetourismus sei laut Allegra Frommer viel besser angelaufen, als man das gedacht hatte. Bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der HOGAST setzt man verstärkt auf Digitalisierung. „Ich war schon in meinen vorhergehenden beruflichen Stationen immer sehr IT-lastig und habe mir stets die Strukturen angeschaut und Wege gesucht, um noch innovativer vorgehen zu können“, sagt die Vorstandsvorsitzende der HOGAST.

 

Der Kern der HOGAST funktioniere ohnehin einfach genial, wie Frommer findet. Sie sei nun da, um einige Details zu ändern, das Team-Building weiter zu stärken und noch etwas Pepp und Dynamik reinzubringen. Dabei könne sie mit einem sehr guten Team und guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten. Sie habe mit Richard Wisdom zudem einen Vorstandskollegen, der für Food & Beverage zuständig ist, und in der HOGAST gibt es drei Tochterunternehmen, deren Geschäftsführer ebenso exzellente Arbeit verrichten. 


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„Es geht darum, eine Leichtigkeit zu finden“


Einen vertraulichen Rahmen, ganz ohne fremde Zuhörer, um sich und die eigenen Kommunikations- und Handlungsmuster besser kennenzulernen und Neues auszuprobieren, finden Menschen im Red‘haus. Dahinter stecken Trainings, Coachings und Webinare von Ingeborg Latzl-Ewald, die sowohl in Wien als auch in der Stadt Salzburg je ein Büro betreibt.


Zu mir kommen Menschen, die etwas bewegt. Und ich darf mit Menschen zusammenarbeiten, die als Führungskräfte oder Politikerinnen in der Position sind, etwas zu bewegen,“ sagt Latzl-Ewald im Gespräch mit ECHO. Ihre Coachings bieten Zeit und Raum, um Gedanken zu ordnen, die Sichtweise der Kunden, in welcher sie feststecken können, zu erweitern oder zu korrigieren, um eine Entscheidung zu treffen und diese am Ende des Tages auch umzusetzen. 


„Krisen und deren Nachwehen sorgen für Verunsicherung. Es geht darum, eine Leichtigkeit zu finden, um wieder entspannter arbeiten zu können“, so Ingeborg Latzl-Ewald, die eine Umfrage für das Hernstein Institut für Management und Leadership der Wirtschaftskammer Wien aus dem Jahr 2021 heranzieht. Demnach sind 45 Prozent der in Österreich und Deutschland befragten Unternehmer und Führungskräfte verunsichert. „Das passt aber nicht zum Rollenbild, das Führungskräfte von sich selbst haben. Und es geht auf einmal um mehr, als Unternehmensziele zu erreichen und Probleme zu lösen. Das können Führungskräfte aus dem ff. Jetzt brauchen sie aber besondere – und oft neue – Fähigkeiten als Führungskraft“, so Latzl-Ewald. Gerade jetzt brauche es eine Führung, die Sicherheit und Zuversicht vermittle, die Ruhe in das Unternehmen bringe, die bei Mitarbeitenden Ängste erkennt und im Idealfall minimieren könne. Grundvoraussetzung dafür sei es, mit der eignen Angst oder Unsicherheit umgehen zu können. 


RITUALE GINGEN VERLOREN

Vor allem auch die Corona-Krise habe nach wie vor Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Menschen bräuchten eine Abgrenzung dahingehend, wo ihre berufliche Rolle aufhöre und ihre private Rolle anfange. „Wenn man im Homeoffice in der Schlabberhose arbeitet, ist das ein großer Unterschied zu der ansonsten getragenen Berufskleidung, die auch eine unsichtbare Uniform ist und über all die Jahre beim Betreten des Arbeitsplatzes zu einem Ritual geworden war“, erklärt Latzl-Ewald. So gebe es aktuell noch immer viele bewusste oder unbewusste Verlustängste: Verlust von Gewohnheiten, Verlust an Beziehungsquantität und -qualität, Verlust einer bestimmten Rolle und auch Verlust an Status. Red‘Haus hilft Kundinnen und Kunden dabei, in den aktuell sehr herausfordernden Zeiten zu reflektieren, zu kommunizieren und gegebenenfalls Dinge zu ändern, um positiv in die Zukunft schreiten zu können. 




„Mir liegen die Interessen der älteren Mitarbeiter am Herzen“


Andrea Prantler, stellvertretende Vorsitzende des Porsche Betriebsrats, ist seit 28 Jahren für den namhaften Fahrzeughändler tätig. Ein Interview.


ECHO: Inwiefern haben sich die Anforderungen im Porsche-Betriebsrat aufgrund der herausfordernden Zeiten verändert? 

Andrea Prantler: Die grundsätzlichen Ziele des Betriebsrats haben sich nicht geändert. Die Mitgestaltung der Zukunft der modernen Arbeitswelt, Ausbau der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Förderung von Diversität und Chancengleichheit, Sicherung des Nachwuchses und die Forcierung nachhaltiger Projekte sind die zentralen Anliegen, für die wir uns im Interesse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen. Die dürfen auch in schwierigen Zeiten nicht in den Hintergrund rücken. Bei allen diesen Themen hat der Betriebsrat bereits in der Vergangenheit wichtige Beiträge leisten können und wir werden das auch in Zukunft tun.


ECHO: Welche Aspekte Ihrer Arbeit sind Ihnen besonders wichtig?

Prantler: Mir persönlich liegen die Interessen der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr am Herzen, die oft durch ihre Erfahrung und ihr Wissen enorm wichtig sein können. Da ist das Ziel, dass diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „den Anschluss“, beispielsweise in Bezug auf die Digitalisierung, nicht verlieren und dem Unternehmen so lange wie möglich erhalten bleiben. Corona und Ukraine-Krieg bringen zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Belegschaft, somit auch für uns als Betriebsrat. Wir sind überzeugt, auch unter diesen Bedingungen die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich vertreten zu können. Unser Rezept dafür ist ein starkes Betriebsratsteam, bestehend aus unserem Betriebsratsvorsitzenden und mir als dessen Stellvertreterin, unterstützt durch Bereichsbetriebsrätinnen und Bereichsbetriebsräte, die am Puls des Unternehmens tätig sind.





 

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