Kein Eltern-Gehalt in Sicht. Darüber, dass Mutter und Vater zu sein, ein anspruchsvoller und herausfordernder Beruf ist, sind sich alle einig. Darüber, dass er nicht bezahlt werden soll, sind sich offensichtlich alle politischen Parteien einig.
Der Aufschrei und die Kritik waren riesengroß. Im August 2026 löste Bundeskanzler Christian Stocker mit der Aussage, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, eine Welle der Empörung aus und entschuldigte sich kurz darauf öffentlich. Im Rahmen einer Bürgerveranstaltung in Salzburg hatte er während seiner Sommertour gemeint: „Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als ‚Business Case‘ sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe.“
Viele erhoben daraufhin ihre Stimme und kritisierten den Kanzler aufs Schärfste. Salzburgs Landeshauptfrau Edtstadler meinte: „Als ehemals alleinerziehende Mutter weiß ich, wie sehr Frauen gefordert sind und wie schwierig es ist, die Betreuung für Kinder sicherzustellen. Meine Hochachtung gilt allen Müttern, aber auch Vätern, die liebevoll ihre Kinder betreuen. Unsere Aufgabe ist es, Familien zu unterstützen und ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten.“
DIE DEBATTE UM EIN ELTERN-GEHALT
Rund um den Sager von Bundeskanzler Stocker tauchte aus Teilen der Gesellschaft kommend, die Forderung nach einem „Eltern-Gehalt“ (oft auch als Erziehungsgeld oder Betreuungsgeld bezeichnet) auf. Generell könnte man von einem Care-Gehalt sprechen. Gemeint ist damit, dass alle – egal ob Mann oder Frau – die privat Kinder großziehen, sich um ältere Angehörige kümmern und den Haushalt machen, dafür auch entlohnt werden müssen. Dahinter steht die Idee, dass der Staat Eltern eine reguläre finanzielle Vergütung für die Erziehung der Kinder zu Hause zahlt, analog zu einem Erwerbseinkommen.
Interessant zu beobachten war die Echauffiertheit über Stockers Aussage. Es gab kaum Menschen, die ihn nicht dafür kritisierten. Für ein Eltern-Gehalt sprach sich von Seiten der Politik jedoch so gut wie niemand aus. ECHO fragte bei Salzburgs Parteien nach, wie sie zu so einem Eltern-Gehalt (oder auch Care-Gehalt) stehen. Zu erwarten wäre vielleicht gewesen, dass es dafür einen gewissen Zuspruch gibt. Allerdings machte sich keine einzige der befragten Parteien für ein Eltern-Gehalt stark. Viele brachten sofort den Unbegriff „Herdprämie“ ins Spiel. Als ob die Arbeit daheim, im Haushalt, in der Küche – womöglich der Herd an sich – etwas Schlechtes seien. Warum wird eine Frau oder ein Mann, der am Herd steht und in ihrem/seinem Restaurant teure Menüs verkauft, als Heldin oder Held der Wirtschaft gefeiert, während jene, die zu Hause kochen mit einem Begriff wie „Herdprämie“ umgehen müssen? Moderne Frauen und Männer der Gegenwart teilen sich die Erwerbsarbeit und die Arbeit zu Hause im besten Fall fair auf. Erstere ist bezahlt, zweitere nicht. In Zeiten, in welchen über ein Bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert wird, wäre es doch normal, dass ein Eltern-Gehalt politisch mehr Zuspruch erhalten würde. Wer dies fordert, wird rasch ins politisch rechte und konservative Eck gedrängt. Dabei teilen sich Männer und Frauen – egal mit welcher politischen Einstellung – Erwerbsarbeit und Heimarbeit freiwillig auf. Eine gewisse Entlohnung der Arbeit zu Hause wäre wohl nur gerecht.
Fairerweise muss erwähnt werden, dass die Familienbeihilfe in Österreich, eine gute soziale Maßnahme ist, die Familien (zwar auch Millionärs- und Milliardärsfamilien) unterstützt und in zahlreichen Ländern nicht zu finden ist.
„Ein eigenes Erziehungs-Gehalt halte ich trotzdem für den falschen Weg. In der Realität würde es vor allem Frauen länger aus dem Erwerbsleben drängen und veraltete Rollenbilder verfestigen.“
Martina Berthold,
Klubobfrau, Landessprecherin – Die GRÜNEN Salzburg
„Wir fordern auf Bundesebene seit langem, die Karenzregelungen in Richtung des dritten Lebensjahrs zu flexibilisieren und parallel dazu die Bezugsdauer des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes entsprechend anzupassen.“
Marlene Svazek, Klubobfrau SPÖ Salzburg
BONI SIND FÜR MANAGER – NICHT FÜR MÜTTER
Erziehung wird als gesamtgesellschaftlich wertvolle Arbeit angesehen. Dennoch sind offensichtlich die Meisten der Meinung, entlohnt werden sollte sie nicht. ÖVP-Familienministerin Claudia Bauer etwa: Kinder seien „selbstverständlich eine Arbeit, eine Heidenarbeit, aber kein Job im herkömmlichen Sinne.“ Arbeit mit

Kindern sei also nicht in Geld aufzuwiegen. Dieser Aussage begegnete die Userin „Lady oft the Lake“ im „Standard“-Onlineforum mit einer zynischen doch im Kern sehr wahren Aussage: „Gut, dann ist das ja klar mit der Frauen-Politik der ÖVP. Liebe Frauen, der Himmel wird es euch lohnen, dass ihr so altruistisch und liebevoll seid, dass es mit Geld einfach nicht aufzuwiegen ist und deshalb die eine oder andere in der Altersarmut landet. Leider müssen die Boni auf Erden den Managern und Gewinnmaximierern, den Spekulanten, den Kriegsherren und Oligarchen, den Bankern, den Politikern und den Tech Brothers vorbehalten bleiben – aber was ist das schon gegen ein gutes Gewissen und die Freude an Kindern?“
„Der Staat soll dafür sorgen, dass sich auch mit weniger Arbeitsstunden von Müttern und Vätern ein gutes Leben ausgeht.“
Natalie Hangöbl, Landtagsabgeordnete KPÖ Salzburg
„Nein zu ´Mütter-Gehalt´, das Frauen noch mehr an Haushalt und Herd bindet.“
Peter Eder, AK-Präsident, SPÖ Salzburg
WAFFENPRODUKTION BRINGT EINKOMMEN
„Zeit online“ führte ein Interview mit der Theologin Ina Praetorius und fragte dabei: Ist Care-Arbeit ein Frauenthema? „Nein, es ist eine Frage des Menschenbildes: Welche Arbeit ist eigentlich wichtig? Mich stört es, dass wir momentan einen Finanzberater oder einen Waffenproduzenten besser honorieren als einen Menschen, der tatsächlich einen Wert für die Gesellschaft erzeugt, also zum Beispiel gesunde Kinder großzieht oder alte Leute versorgt. Ein Frauenthema ist Care-Arbeit nur deshalb, weil sie als weiblich gilt – und Frauen nach wie vor häufiger und mehr Care-Arbeit verrichten als Männer.“
Dies zeigt auf, dass es bei der Entlohnung eines Berufes oft gar nicht um dessen tatsächlichen Wert für die Gesellschaft geht. Kindererziehung bringt die wirtschaftlichen Kräfte der Zukunft hervor. Umso besser Mütter und Väter arbeiten, desto besser für die gesamte Gesellschaft. Und dennoch gibt es in Österreich keine ernsthaften Bestrebungen, ein Eltern-Gehalt einzuführen. Auch zivilgesellschaftliche Rufe danach sind kaum bis gar nicht vorhanden. Vielmehr gibt es ständig den Bedarf an einer besseren „externen“ Kinderbetreuung. Eine Alleinerzieherin allerdings, muss sich häufig mit einem geringen Gehalt abspeisen lassen. Einen großen Teil davon, muss sie dann für „externe“ Kinderbetreuung wieder abgeben. Ein finanzielles Dilemma. Und des Weiteren bevorzugen die politischen Parteien, jene Familien, in welchen beide Elternteile Vollzeit arbeiten. Sie schaffen die Illusion Mann und Frau können beide eine erfolgreiche berufliche Karriere hinlegen und ganz nebenbei ihre Kleinkinder noch liebevoll und zeitintensiv großziehen. Fakt ist: Das geht sich nicht aus.
Am wenigsten gefragt in der gesamten Debatte werden die Kleinkinder und Kinder. Sie haben keine politische Lobby. Das Thema ist auch nicht parteipolitisch. Gerne wird behauptet für ein Eltern-Gehalt seien nur Rechte oder Erzkonservative. Doch abseits jeglicher politischer Zugehörigkeiten von Eltern – egal ob weit links in der Mitte oder weit rechts – ist sich die objektive Wissenschaft, nämlich die Entwicklungspsychologie, hier einig, dass eine sichere Eltern-Kind-Bindung das Fundament für eine gesunde emotionale und soziale Entwicklung des Kindes ist. Darauf nehmen die politischen Parteien wenig Rücksicht.
Im Vordergrund steht, dass möglichst viele Menschen einer Erwerbsarbeit nachgehen. Kinder rasch in externer Betreuung untergebracht werden. Dass Eltern Steuern bezahlen. Die Teuerung stemmen und für die externe Unterbringung ihrer Kinder aufkommen. Ein Eltern-Gehalt ist momentan nicht mehr, als das vage Thema für eine Diskussion. Eine realpolitische Umsetzung ist genauso weit entfernt, wie jene eines bedingungslosen Grundeinkommens. Mit dem feinen Unterschied, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen von seinen Befürwortern ohne Gegenleistung gefordert wird – ein Eltern-Gehalt aber für enorm viel Arbeit und Aufwand bezahlt würde.
„Wir NEOS wollen Frauen aber nicht zurück an den Herd zwingen, sondern eine echte Wahlfreiheit. Deshalb ist uns die Stärkung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf so wichtig.“
Sepp Schellhorn, Landessprecher NEOS Salzburg
Martina Berthold, Klubobfrau und Landessprecherin der GRÜNEN Salzburg:
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„Care-Arbeit ist Arbeit. Punkt. Und sie verdient mehr Anerkennung – das steht für mich außer Frage. Kinder zu betreuen, Angehörige zu pflegen und Sorgearbeit zu leisten, hält unsere Gesellschaft am Laufen. Diese Arbeit darf weder unsichtbar bleiben noch zu finanzieller Abhängigkeit oder Altersarmut führen. Ein eigenes Erziehungs-Gehalt halte ich trotzdem für den falschen Weg. In der Realität würde es vor allem Frauen länger aus dem Erwerbsleben drängen und veraltete Rollenbilder verfestigen. Aber wir wollen nicht zurück in die 50er-Jahre. Care-Arbeit wird aufgewertet, wenn sie fair verteilt und gut abgesichert wird. Geschlechtergerechtigkeit entsteht nicht, indem Frauen wieder hinter den Herd geschickt werden. Echte Wahlfreiheit braucht Unterstützung für Familien: Flächendeckende Kinderbetreuung, faire Karenzmodelle, partnerschaftliche Elternteilzeit, gute Pflegeangebote und eine eigenständige finanzielle Absicherung von Frauen. Care-Arbeit muss mehr wert sein und sie muss gerechter verteilt werden.“
Sepp Schellhorn, Landessprecher NEOS Salzburg:
„Ohne Zweifel ist es herausfordernd, Kinder groß zu ziehen und erwerbstätig zu sein. Das betrifft in den meisten Familien die Mütter. Die Lösung kann aber kein „Erziehungs-Gehalt“ sein, denn das wäre nichts anderes als eine „Herdprämie“. Wir NEOS wollen Frauen aber nicht zurück an den Herd zwingen, sondern eine echte Wahlfreiheit. Deshalb ist uns die Stärkung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf so wichtig. Deshalb bauen wir die Kinderbetreuung in ganz Österreich aus, führen den Gratis-Kindergarten ab 4 ein und machen Schulen und Kindergärten zu Orten, bei denen die Eltern ein gutes Gefühl haben, wenn sie in der Früh das Haus verlassen. Familien- und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen, ist nämlich nicht bloß eine Frage der Selbstorganisation. Das strukturell zu ermöglichen, ist die Aufgabe von Politik.“
Marlene Svazek, Landesparteiobfrau FPÖ Salzburg:
„Entscheidend ist weniger die Frage nach einem eigenen
Erziehungs-Gehalt als vielmehr, ob Familien tatsächlich die Freiheit haben, ihr Leben so zu organisieren, wie es zu ihrer persönlichen Situation passt. Manche Eltern wollen früh in den Beruf zurückkehren, andere möchten in den ersten Lebensjahren bewusst mehr Zeit in die Betreuung ihrer Kinder investieren. Beides muss möglich sein, ohne dass der Staat ein bestimmtes Lebensmodell bevorzugt. Wer familiäre Betreuung übernimmt, leistet dabei einen wichtigen Beitrag, der auch gesellschaftlich stärker anerkannt werden sollte. Für uns steht die Wahlfreiheit der Familien im Mittelpunkt. Eltern, die ihre Kinder länger innerhalb der Familie betreuen wollen, sollen diese Entscheidung auch tatsächlich treffen können. Deshalb fordern wir auf Bundesebene seit langem, die Karenzregelungen in Richtung des dritten Lebensjahrs zu flexibilisieren und parallel dazu die Bezugsdauer des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes entsprechend anzupassen. Damit würde familiäre Betreuung stärker anerkannt und Eltern hätten mehr finanziellen Spielraum, wenn sie sich bewusst für dieses Modell entscheiden. Familien sind unterschiedlich, und genauso unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse. Deshalb ist auch ein flexibler Zugang für verschiedene Lebensmodelle zu favorisieren, um so echte Wahlfreiheit zu ermöglichen. Wenn Eltern mehr Spielraum haben, Beruf, Betreuung und Familienleben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten, stärkt das letztlich auch die Familie als verlässliche und tragende Struktur unserer Gesellschaft. Gerade in den ersten Lebensjahren eines Kindes sollte nicht der finanzielle Druck darüber entscheiden, welches Modell eine Familie wählen kann.“
Das Leitungsteam von Frau & Arbeit gGmbH: Claudia Weiss, Isabella Turner, Andrea Kirchtag und Daniela Diethör (v. li. n. re.)
„Ein solches Gehalt hätte drastische negative Auswirkungen auf Chancengleichheit und Wirtschaft: Frauen, die über Jahre nicht im Arbeitsleben stehen, haben kaum Chancen auf einen gut bezahlten Wiedereinstieg bzw. Berufseinstieg in bezahlte Erwerbsarbeit. Diese Überlegungen verfestigen also die ohnehin große Benachteiligung von Frauen in beruflicher, struktureller und finanzieller Hinsicht. Das wirkt in Zeiten des Fachkräftemangels und der steigenden Arbeitslosigkeit von Frauen 50 plus auch durch die Anhebung des Frauenpensionsalters nicht nur individuell, sondern vor allem wirtschaftlich. Arbeitsmarkt und Wirtschaft stehen bereits jetzt vor dem Dilemma, dass kaum Personal zu finden ist. Ein Erziehungsgehalt würde diese Realität verschärfen. Ein weiterer Effekt wäre, dass Männer noch weniger Anreiz sehen, Carearbeit partnerschaftlich zu übernehmen. Und Frauen, die bereits jetzt aufgrund ihrer sozioökonomischen Situation benachteiligt sind, hätten kaum noch Möglichkeiten auf einen Berufseinstieg und ein existenzsicherndes Einkommen, was wiederum in die Altersarmut führt. Sinnvolle Maßnahmen wären aus unserer Sicht: Ausbau einer flächendeckenden, pädagogisch hochwertigen institutionellen Kinderbetreuung, die eine Berufstätigkeit von Müttern entsprechend ermöglicht, professionelle Beratung und Unterstützung für Frauen bei der beruflichen Laufbahnplanung, verpflichtende Väterkarenz, gekoppelt an das Kinderbetreuungsgeld, Angleichung des Unterhaltsvorschusses an den Regelbedarfssatz (für Alleinerziehende), objektive Information über die Möglichkeit des Pensionssplittings vor allem für Männer (die überwiegend dagegen sind).“
Natalie Hangöbl, Abgeordnete zum Salzburger Landtag, KPÖ Salzburg:
„Familien leiden noch stärker als andere Bevölkerungsgruppen unter der Teuerung – sie machen größere Einkäufe und sind durch die Lebensmittelteuerung stärker belastet, sie brauchen größere Wohnung und haben deshalb höhere Wohnkosten und die Kinderbetreuungskosten gerade in Salzburg sind horrend. Es gibt zu wenig öffentliche Plätze, private Betreuung kostet hunderte Euro pro Kind im Monat. Wohnen bezahlbar zu machen, Teuerung zu stoppen und Kinderbetreuung im besten Fall kostenlos anzubieten ist die Aufgabe des Staates, wenn er Familien unterstützen möchte und dafür sorgen will, dass sich mehr Menschen bewusst für Familie und Kinder entscheiden. Gleichzeitig braucht es Löhne und Gehälter, von denen Menschen auch leben können. Besonders für Frauen wird die Entscheidung für ein Kind extrem häufig zur Armutsfalle. Ein Erziehungsgehalt, eine „Hausfrauengeld“, eine „Herdprämie“ – wie auch immer man solche Zahlungen bezeichnen will – ist sehr häufig wesentlich geringer, als es ein Einkommen wäre. Dies führt zwar kurzfristig möglicherweise zu Entlastungen im Familienbudget, langfristig aber zu finanzieller Abhängigkeit (meistens von der Frau), schlechter Pension und Altersarmut. Der Staat soll dafür sorgen, dass sich auch mit weniger Arbeitsstunden von Müttern und Vätern ein gutes Leben ausgeht, dass Wohnraum, Lebensmittel und besonders Kinderbetreuung bezahlbar wird und es attraktive Modelle für Väterkarenzen gibt und nicht versuchen, Frauen billig abzuspeisen. Weil die sogenannten „Erziehungs-Gehälter“ sehr oft wesentlich geringer sind, als es Erwerbseinkommen wären, können solche Modelle erst recht zu finanzieller Abhängigkeit (vor allem der Frau), schlechteren Jobchancen nach dem Wiedereinstieg und schlechteren Pensionen führen. Wenn wir finanziell unabhängige Frauen und auch Männer wollen, die sich bewusst für Kinder entscheiden, braucht es eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie und leistbare Kinderbildungseinrichtungen, in die Eltern ihre Kinder gerne schicken.“
Peter Eder, AK-Präsident, SPÖ Salzburg:
„Die Arbeiterkammer steht diesem Vorschlag sehr kritisch gegenüber. Warum? 85,4 Prozent der Mütter beziehen allein Kinderbetreuungsgeld und gehen in Karenz. Auf der anderen Seite gehen nur 0,8 Prozent der Väter länger als 6 Monate in Karenz. Dies führt bereits mit Geburt des Kindes zu einer Schieflage! Dieses Gehalt wäre also ein „Mütter-Gehalt“, aber im schlechten Sinne des Wortes, weil bestehende Ungleichheiten nur weiter verstärkt würden, anstatt eine Lösung für die vielschichtige Benachteiligung von Frauen anzugehen. Ein „Gehalt“ klingt zwar reizvoll, aber nur auf den ersten Blick. Das wäre eine Einzelmaßnahme, die Benachteiligungen nur einzementiert. Finanzielle Anreize würden die ungleiche Aufteilung nur weiter verstärken und einer partnerschaftlichen Elternarbeit entgegenarbeiten. Schlussendlich profitieren aber Eltern und Kinder, wenn sich beide Elternteile gleich verteilt in die Erziehung und Betreuung einbringen. Es braucht also einen ehrlichen Blick auf die Probleme und einen Ansatz, der sowohl die Anerkennung von Care-Arbeit fördert, als auch Möglichkeiten schafft, diese Arbeit partnerschaftlich zwischen den Geschlechtern zu verteilen. Warum leisten immer noch vor allem Frauen unbezahlte Care-Arbeit? Grund ist die vielfach schlechtere Bezahlung in weiblich dominierten Branchen. Deshalb fällt in den meisten Familien die Entscheidung, dass Frauen die Care-Arbeit übernehmen. Fehlende soziale Infrastruktur wie qualitative, flächendeckende und kostenlose Kinderbildungsplätze oder (mobile) Pflegedienstleistungen tun ihr Übriges, warum viele Frauen unfreiwillig Care-Arbeit übernehmen. Diese große Hürde führt vielfach dazu, dass Frauen in Teilzeit oder komplett aus dem Berufsleben gedrängt werden. Um finanziellen Nachteilen entgegenzuwirken, braucht es gezielte Maßnahmen zur sozialen Absicherung jener, die unmittelbar unter den fehlenden Strukturen leiden. Diese Probleme gehören endlich angegangen. Wir sagen also „Nein“ zu einem Erziehungsgehalt, wenn alte Rollenbilder nicht endlich aufgebrochen werden und stattdessen Frauen immer noch an den Haushalt gebunden werden, obwohl sie das nicht wollen. Die Folge dieses „verlockenden Angebots“: nach jahrelanger Abwesenheit vom Arbeitsmarkt wären sie beim Wiedereinstieg, trotz hohem Bildungsniveau, nicht mehr anschlussfähig. Mit negativen Folgen auf Einkommen, Pension und Existenzsicherung.“
Christian Granbacher-Roth

Erziehungs-Gehalt als vielmehr, ob Familien tatsächlich die Freiheit haben, ihr Leben so zu organisieren, wie es zu ihrer persönlichen Situation passt. Manche Eltern wollen früh in den Beruf zurückkehren, andere möchten in den ersten Lebensjahren bewusst mehr Zeit in die Betreuung ihrer Kinder investieren. Beides muss möglich sein, ohne dass der Staat ein bestimmtes Lebensmodell bevorzugt. Wer familiäre Betreuung übernimmt, leistet dabei einen wichtigen Beitrag, der auch gesellschaftlich stärker anerkannt werden sollte. Für uns steht die Wahlfreiheit der Familien im Mittelpunkt. Eltern, die ihre Kinder länger innerhalb der Familie betreuen wollen, sollen diese Entscheidung auch tatsächlich treffen können. 












