Sanfter Optimismus ist erlaubt. Schreckensmeldungen gaben in Sachen Wirtschaft zuletzt den Ton an. Nun gibt es erste Zeichen für einen leichten Aufwärtstrend im bevorstehenden Jahr.
An den Krisenmodus haben wir uns eigentlich schon gewöhnt. Die Dotcom-Blase sorgte zwischen 2000 und 2002 für einen hohen Stresslevel, dann hielt uns die Finanzkrise (2007-2009) in Atem, die in der Lehman-Pleite gipfelte. Es folgten die Euro-Schuldenkrise (2010) und die Rezession aufgrund der Corona-Pandemie. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Energiekrise und der Klimawandel sind Grund für weitere Sorgen. Und seit ein paar Jahren zeichnet sich in Österreich eine andauernde Rezession ab, flankiert von einer hohen Insolvenz- und Pleitewelle der Unternehmen. Österreichs Bevölkerung leidet schon lange unter einer hohen Inflation und horrenden Wohn- und Lebensmittelpreisen.
Das Jahr 2026 nun aber, erlaubt leise Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Situation. Anzeichen dafür gibt es mehrere. Die Inflation hat sich abgeschwächt. Im Jänner lagen die Preise im Schnitt nur noch um zwei Prozent über jenen vom Jänner 2025. Im Dezember lag der Anstieg der Verbraucherpreise noch bei 3,8 Prozent. Ausschlaggebend für die Verbesserung sei das Ende des sogenannten Basiseffekts bei Strom und Preisrückgänge bei Energie generell.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) spricht bereits von einer „Trendumkehr“ und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht „Grund zum Optimismus, aber keinen Grund nachzulassen“. Kritik dazu gibt es klarerweise von den Oppositionsparteien. Wahr ist dabei die Aussage von FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch: „Die Preise sinken nicht, sie steigen nur langsamer als im Katastrophenmonat des Vorjahres“. Und sie richtet den Regierenden auch aus: „Während sich die Systemparteien in ihren Ministerien abfeiern, wissen Pensionisten und Familien nicht mehr, wie sie ihre Heizkosten zahlen sollen.“
Kritik gibt es laut „Standard“ auch von den Grünen. „Die Inflation sinkt und das ist gut“, so die stellvertretende Klubobfrau Sigi Maurer. „Aber, dass sich die Regierung jetzt selbst für die gesunkene Inflation auf die Schultern klopft, ist ziemlich frech. Denn die Regierung hat mit ihren Preiserhöhungen bei Gebühren und Öffis sowie dem Auslaufen lassen aller preisdämpfenden Maßnahmen, wie beispielsweise der Strompreisbremse, die Menschen im Land ein Jahr länger an der überhöhten Inflation leiden lassen.“
TOURISMUS ALS SÄULE
Neben einer Abschwächung der Inflation, gibt speziell im Bundesland Salzburg die Tourismusbranche Grund zur Hoffnung. Der allgemeinen Stagnationsphase zum Trotz, gab es im Sommer 2025 (Mai bis August) das zweitbeste Ergebnis seit Aufzeichnungsbeginn. Der Tourismus gilt somit als besonders widerstandsfähige Säule der Salzburger Wirtschaft. Wenn während Krisen teilweise Rekorde gebrochen werden, ist das besonders erfreulich. Die hohe Nachfrage kommt dabei vor allem aus Deutschland und dem Inland. Dennoch kämpft auch diese Branche mit Herausforderungen wie Personalmangel und Ertragslage.
Generell gilt für Österreich eine langsame Erholung nach mehreren Jahren Rezession. Angetrieben wird diese durch eine Stabilisierung der Nachfrage und einen spürbaren Rückgang der Inflation. Dennoch, es handelt sich um eine verhaltene Erholung, keinesfalls um einen Boom oder besonders positiven Trend. Ganz entscheidend ist jedoch, dass es auch in der Bauwirtschaft einige Anzeichen einer Erholung im privaten Wohnbau gibt. Eine Branche, die bereits seit Jahren sehr zu kämpfen hat.
„Die österreichische Industrie hat die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung wird man heuer allerdings nicht sprechen können.“
Peter Unterkofler,
Präsident IV-Salzburg
ZARTES PLUS FÜR DIE INDUSTRIE
„Die österreichische Industrie hat die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung wird man heuer allerdings nicht sprechen können. Die Erholung, die sich abzeichnet, steht auf wackeligen Beinen. Es sind einige wenige Unternehmen, deren guter Performance dank digitaler Transformation und Energiewende die Statistik derzeit nach oben zieht. Der Großteil der Unternehmen sieht noch wenig Licht am Tunner – die hohen Kosten drücken nach wie vor auf die Wettbewerbsfähigkeit und Stimmung“, sagt Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung Salzburg.
Von ECHO auf die Österreichische Bundesregierung angesprochen meint Unterkofler: „Ich begrüße das klare Bekenntnis der Bundesregierung zum Industriestandort Österreich sowie die präsentierte Industriestrategie 2035, mit dem Ziel, Österreich wieder unter die Top-10 der führenden Industrienationen zu bringen. Entscheidend für den Erfolg der Strategie wird sein, ob in den kommenden Jahren tatsächlich eine Re-Industrialisierung gelingt. Positiv bewertet die IV die zahlreichen richtigen Ansatzpunkte der Strategie, insbesondere in den Bereichen Forschung, Innovation, Energie, Fachkräfte und Bürokratieabbau. Ich möchte jedoch betonen, dass die angekündigten Maßnahmen rasch, wirksam und praxisnah umgesetzt werden müssen und keinesfalls mit zusätzlichen Kosten, neuer Bürokratie oder weiteren Regulierungen einhergehen dürfen“.
Kritisch sieht die IV, dass dringend notwendige strukturelle Reformen bei Staat, Verwaltung und Abgaben bislang ausgeklammert bleiben. „Diese wären Voraussetzung, um angesichts der angespannten budgetären Lage, Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und die finanziellen Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Ebenso bleibt der Kapitalmarkt als zentrale Finanzierungsquelle für Unternehmen weitgehend unberücksichtigt“, so der Präsident der IV-Salzburg.

GEGEN ÜBERBORDENDE BÜROKRATIE
Was die Salzburger Landesregierung anbelangt, wünscht sich die IV Salzburg eine Vereinfachung von Dokumentationspflichten über effizientere Genehmigungswege bis hin zur Abschaffung überholter Regelungen in den Salzburger Landesgesetzen. „Es gibt viele einfache Maßnahmen, die für die Betriebe sofort Erleichterung bringen, beispielsweise beim Einreichen von Planungsunterlagen bzw. englischsprachiger Dokumente oder bei Nostrifikationen“, erklärt Unterkofler, der hinzufügt: „Seit Ende 2025, ist eine eigene Taskforce zur Entbürokratisierung im Bundesland Salzburg am Werk. Das Expertengremium besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft und Verwaltung. Die IV Salzburg unterstützt hier tatkräftig und ruft die Landesregierung auf, das Landesrecht zu vereinfachen. Hier haben wir denselben Wunsch, wie auch die Regierungsspitze: überbordende Bürokratie systematisch zu reduzieren, Verfahren zu beschleunigen und Salzburg als Wirtschafts- und Lebensstandort nachhaltig zu stärken“.

Christian Granbacher-Roth
Interview
„Der Arbeitsmarkt in Salzburg erweist sich trotz der schwierigen Lage als sehr stabil“
Peter Buchmüller. Der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg und Obmann des Salzburger Wirtschaftsbundes im ECHO-Interview.
ECHO: Wie lautet Ihr Ausblick auf das Wirtschaftsjahr 2026?
Peter Buchmüller: Auch wenn die heimische Wirtschaft die tiefgreifendste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg mittlerweile hinter sich gelassen hat, darf man sich für 2026 nicht zu viel erwarten. Das von den Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierte Mini-Wachstum für das heurige Jahr ist leider von einem echten Aufschwung meilenweit entfernt. Dazu kommt, dass diese Prognose vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Als Unternehmer bin ich dennoch Optimist und überzeugt, dass sich auch im heurigen Jahr wieder viele Chancen für die heimischen Betriebe auftun werden.
ECHO: Welche Branchen gehen skeptisch, welche Branchen besonders optimistisch ins Jahr 2026?
Buchmüller: Laut der jüngsten Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Salzburg, die im November 2025 durchgeführt wurde, lag die aktuelle Geschäftslage bei allen sieben Sparten zum damaligen Zeitpunkt im positiven Bereich. Die zukünftige Auftragsentwicklung schätzten die Unternehmen deutlich pessimistischer ein. Nur die Sparten Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Information und Consulting gingen von einer positiven Entwicklung aus. Alle anderen Sparten befanden sich deutlich unter der Nulllinie. Am pessimistischsten blickten im November die Sparte Transport und Verkehr sowie die Industrie auf die Auftragsentwicklung der kommende sechs Monate.
„Das von den Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierte Mini-Wachstum für das heurige Jahr ist leider von einem echten Aufschwung meilenweit entfernt.“
Peter Buchmüller,
Präsident WKS & Obmann des Salzburger Wirtschaftsbundes
ECHO: Welche jüngsten Maßnahmen der Politik waren hilfreich und wo herrscht von politischer Seite her noch dringend Handlungsbedarf?
Buchmüller: Positiv sind auf EU-Ebene die mit den Mercosur-Staaten und mit Indien besiegelten Freihandelsabkommen zu bewerten. Dass das Mercosur-Abkommen nach 25 Jahren Verhandlungen vom Europa-Parlament an den Europäischen Gerichtshof zur Prüfung weitergeleitet wurde, ist aus meiner Sicht völlig unverständlich.
Mit der angekündigten Reduktion der Bürokratie um 25 Prozent ist man auf EU-Ebene auch noch säumig. Ganz im Gegenteil: mit der Lohntransparenzrichtlinie kommen voraussichtlich neue Belastungen auf die Betriebe zu.
Wenn man auf Österreich blickt, dann wird die Lohnzurückhaltung im vergangenen Herbst bei den Pensionisten, den Beamten und in weiterer Folge bei den Kollektivvertragsverhandlungen die Wettbewerbsfähigkeit unserer kleinen, offenen Volkswirtschaft stärken. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen und Monaten an vielen Stellschrauben gedreht, beginnend beim Mittelstandspaket über das Entbürokratisierungspaket, dem Günstiger-Strom-Gesetz bis zum erst kürzlich präsentierten Industriepaket. All diese Vorhaben sind begrüßenswerte Signale, müssen aber erst einmal umgesetzt werden und ihre Wirkung entfalten. Wichtig wäre es, die großen Strukturreformen im Pensions-, Gesundheits- und Bildungsbereich endlich in Angriff zu nehmen und die Staatsquote von derzeit 56 Prozent deutlich zu senken. Das würde wieder für einen budgetären Spielraum sorgen, der eine Senkung der Lohnnebenkosten etwa zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) ermöglichen soll. Auf Landesebene hat Landeshauptfrau Karoline Edtstadler nach einer Initiative der Wirtschaftskammer Salzburg eine Taskforce für Deregulierung ins Leben gerufen, die bürokratische Entlastungen für die Betriebe ausarbeiten soll. Dazu hat die WKS 50 konkrete Vorschläge im Bereich der Landesgesetze ausfindig gemacht. Erste Erleichterungen sollen noch heuer in Kraft treten.

ECHO: Wie wird sich der Arbeitsmarkt entwickeln?
Buchmüller: Der Arbeitsmarkt in Salzburg erweist sich trotz der schwierigen Lage als sehr stabil. 2025 verzeichnete Salzburg gemeinsam mit Tirol die niedrigste Jahresarbeitslosenquote mit 4,5 Prozent. Ein Problem, das schleunigst adressiert werden muss, ist die demografische Lücke, die in den kommenden Jahren immer größer wird, weil die Generation der Babyboomer in Pension geht. Viele von ihnen sind Fachkräfte mit einem Lehrabschluss. Das wird sich noch als regelrechte Wachstumsbremse entpuppen, vor allem, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Deshalb muss man umgehend mit steuerlichen Anreizen Vorsorge treffen, dass sich Leistung und Mehrarbeit wieder lohnen und wieder mehr Vollzeit anstatt Teilzeit gearbeitet wird.
Interview: Christian Granbacher-Roth

„Das von den Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierte Mini-Wachstum für das heurige Jahr ist leider von einem echten Aufschwung meilenweit entfernt.“









