Die Firma LM Energy, um Geschäftsführer Franz Leikermoser, ist als leistungsstarker Energielieferant und Erfolgsbetrieb mit großem Tankstellennetzwerk bekannt. Von der Politik fühlt sich der Unternehmer komplett im Stich gelassen.

ECHO: Viel ist zu hören von der wirtschaftlichen Krise. Wird auch weniger getankt?

Leikermoser: Das ist von Standort zu Standort unterschiedlich, gesamt gesehen gibt es aber keine großen Veränderungen. Letztes Jahr und in diesem Jahr fällt jedoch auf, dass es im B2B-Bereich und im Großhandelsgeschäft mit dem Treibstoff dort und da Einbußen gibt. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Transportbranche rückläufig ist. Der Dieselabsatz ist für mich so etwas wie der Barometer der Wirtschaft. Er geht zurück, weil weniger gefahren, gebaut und verbraucht wird. Wenn diese Rädchen zu stehen beginnen, kommt auch das große Ganze ins Stocken.

„Unter Nachhaltigkeit verstehe ich aber nicht nur E-Mobilität und PV-Anlagen. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich vor allem, dass man den Betrieb, den man übernommen hat, für die nächste Generation erhält und weitergibt.“

Franz Leikermoser, Geschäftsführer LM Energy

ECHO: In Österreich wird die Kritik an den politischen Entscheidungsträgern immer lauter. Ihre Meinung dazu?

Leikermoser: Ich bin ein sehr engagierter Unternehmer, der immer Visionen, Ziele und Träume verfolgte. Momentan aber erleben wir sinnlose Gesetze, Verordnungen und vor allem Strafen durch die Politik, ebenso wie Eingriffe in Eigentum, Recht und Freiheit, wie ich sie als Unternehmer nie zuvor erlebt habe. Die Europäische Union schreibt uns vor, wie wir zu leben haben, wie wir zu heizen haben und wie die Mobilität gestaltet wird. Ich bin ein glühender Europäer, bin für den freien Personen- und Warenverkehr, aber die Reglements, die in jüngster Zeit eingeführt wurden, sind erschreckend. Der Green Deal sowie Green Financing und die daraus resultierenden ESG-Kriterien hemmen unser Unternehmen komplett. Es ist eine riesige Herausforderung für unser Unternehmen im Bereich der flüssigen Energieträger an Finanzierungen zu kommen. Trotz hervorragender Bonität haben wir also keinerlei Möglichkeit mehr, Kredite aufzunehmen und zu investieren. Wenn einem die Ziele und Visionen genommen werden, beginnt man am System zu zweifeln. Stefan Zöchling, der Chef des Autozulieferers Remus, hat dem Kurier unter dem Titel „Wir fahren mit 200 km/h an die Wand“ ein Interview gegeben, in dem er viele Probleme in unserem Land anspricht. Ich gratuliere ihm zu seinem Mut, all dies öffentlich auszusprechen und stimme ihm in allen Punkten zu (siehe dazu Seite 30 in dieser ECHO-Ausgabe). Bis auf das Thema Burnout, zu dem ich aus persönlichen Gründen eine ganz andere Meinung habe.

ECHO: Welche Probleme beschäftigen Ihr Unternehmen akut?

Leikermoser: Es gibt eine komplette Überregulierung. Wenn man nur das nationale Emissionshandelsgesetz betrachtet, handelt es sich dabei um ein Bürokratiemonster der Superlative. Dann gibt es noch den dazugehörigen Emissionsüberwachsungsplan. Alleine schon dieser restriktive Begriff. Weiters die Kraftstoffverordnung und Treibhausgasquote. Zudem haben wir das Lieferkettengesetz bei Biotreibstoffen und künftig den ETS 2-(CO2-) Zertifikathandel, die unser Unternehmen mit ihrem Bürokratismus ebenfalls hemmen. Wir von den Fachverbänden des Energiehandels und der Mineralölindustrie laufen Sturm, aber uns hört niemand mehr zu, obwohl wir es mit Planwirtschaft und Ökokommunismus zu tun haben. Bei uns im Unternehmen beschäftigen sich vier Personen ausschließlich mit diesen Themen und kümmern sich um Bioquoten und CO2-Bilanzen. Die Pflege der nationalen Emissionsdatenbank stellt uns ebenfalls vor große Herausforderungen genauso wie die zukünftige Unionsdatenbank, bei der wir die Lieferketten komplett nachweisen müssen. Vom Rohstoffursprungsort bis hin zum Endverbraucher.

Und neben diesem überbordenden Bürokratismus gibt es dann noch die Förderwut. Alles Mögliche wird mit hohen Summen gefördert. Aber man muss kein Wirtschaftsforscher sein, um zu wissen, dass man dieses Geld besser den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für ihre Leistungen zukommen lassen sollte. Wer über 40 Stunden arbeitet, sollte auch dementsprechend verdienen. Das würde der Wirtschaft einen explosionsartigen und positiven Schub versetzen. Ein Problem ist nämlich auch, dass Eigeninitiative nicht mehr so wertgeschätzt wird. Oft habe ich das Gefühl, wir leben in einer sozial abgesicherten Work-Life-Balance-, Freizeit-, Spiel- und Spaßgesellschaft, in der jeder zeitig auf die Pensionierung hinarbeitet.

„Alleine schon das nationale Emissionshandelsgesetz ist ein Bürokratiemonster der Superlative.“

Franz Leikermoser

ECHO: Das Thema Nachhaltigkeit ist aktuell aber allgegenwärtig.

Leikermoser: Unter Nachhaltigkeit verstehe ich aber nicht nur E-Mobilität und PV-Anlagen. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich vor allem, dass man den Betrieb, den man übernommen hat, für die nächste Generation erhält und weitergibt. Ich kenne jedoch sehr viele Unternehmer, deren Kinder die Firmen aufgrund der schwierigen Umstände nicht mehr übernehmen wollen. Dass sich das Rad der Wirtschaft noch dreht, ist sicherlich nicht auf politische Entscheidungen zurückzuführen, sondern hat damit zu tun, dass viele Unternehmen täglich ums Überleben kämpfen und daher alles geben. Das ist die Triebfeder der Familienbetriebe, die nichts mit politischen Errungenschaften zu tun hat. Und dieser Wille der Unternehmer, ist mit der Grund dafür, warum es uns in Österreich noch relativ gut geht. Wenn man uns aber die Freiheiten nimmt, uns nicht mehr investieren und gestalten lässt und zum täglichen Kampf noch der Krampf hinzukommt, ist das für die Wirtschaft eine toxische Mischung

LM Energy: Der Blue Tower in St. Johann im Pongau.

ECHO: Welchen Apell richten Sie an politische Entscheidungsträger?

Leikermoser: Ich als Unternehmer wünsche mir, dass wir von der Politik wieder mehr gehört werden und dass die Entscheidungsträger aktiver werden und endlich in die Gänge kommen. Viele Politiker reden davon, wie wichtig die Wirtschaft ist, tun aber nichts für sie. Oft wird die EU-Gesetzgebung als Ausrede vorgeschoben. Aber da stelle ich schon die Frage: Haben wir keine österreichischen EU-Vertreterinnen und Vertreter? Gewisse politische Parteien, brauchen sich jedenfalls nicht zu wundern, warum sie in den letzten Jahren so hohe Verluste bei den Wahlen hinnehmen mussten. Wenn man zu wenig tut, ist es klar, dass einem die Leute weglaufen.

Ich war selbst drei Regierungsperioden lang in der Gemeinde- und Kommunalpolitik tätig. Ich war Obmann für den Salzburger Energiehandel und somit auch in dessen Bundesausschuss vertreten. Dabei habe ich immer Höhen und Tiefen erlebt. Aber wenn ich heute mit Politikern rede, schauen Sie mich an und fragen, was sollen wir tun? Sie verstehen die Probleme von uns Unternehmern nicht mehr. Da gehen mir Persönlichkeiten wie Wolfgang Gmachl sehr ab (Direktor der Wirtschaftskammer Salzburg von 1988 bis 2006, im Jahr 2023 verstorben). Er war ein so klar denkender Mensch, der auch auf den Tisch gehaut hat, wenn es notwendig war. Solche Persönlichkeiten fehlen uns heute, die gestalten und nicht nur verwalten.

„Ich als Unternehmer wünsche mir, dass wir von der Politik wieder mehr gehört werden und dass die Entscheidungsträger aktiver werden und endlich in die Gänge kommen.“

Franz Leikermoser


Interview: Christian Granbacher-Roth